Zistrose: Heilpflanze gegen HIV und Ebolaviren

3. Februar 2016, 14:13
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Extrakte der Zistrose inaktivieren HI-, Ebola- und Marburg-Viren und verhindern ihre Vermehrung in Laborexperimenten

Für virale Infektionen wie zum Beispiel für HIV/Aids braucht es aufgrund von Resistenzbildung immer wieder neue antivirale Wirkstoffe. Gegen Ebola- oder Marburg-Viren gibt es derzeit noch gar keine zugelassenen Präparate. Wissenschaftler vom Institut für Virologie (Viro) des Helmholtz-Zentrums München haben nun gezeigt, dass Extrakte aus der Zistrose (Cistus incanus) virostatische Eigenschaften aufweisen. Die Extrakte blockieren das Andocken der Viren an Zellen. Dazu binden Inhaltsstoffe selektiv an die Viruspartikel und verhindern so die Infektion.

Das Team arbeitete mit klinischen Isolaten des HI-Virus vom Typ 1 und 2, einschließlich eines HIV-Stammes, der gegen mehrere therapeutisch eingesetzte antivirale Wirkstoffe resistent ist. "Extrakte der Zistrose inaktivierten HI-Viren bei allen Experimenten", sagt Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie. Sie blockieren virale Hüllproteine, womit das Andocken der Viren an die Wirtszellen verhindert wird. Selbst nach 24-wöchigen Labortests entstanden keine Resistenzen.

"Unsere Ergebnisse zur Anti-HIV-1-Wirkung von Cistus incanus liefern erste Hinweise, dass käuflich erhältliche Extrakte aus der Zistrose für die Entwicklung von neuartigen und wissenschaftlich fundierten Phytotherapeutika gegen HIV genutzt werden könnten", sagt Brack-Werner. "Da die antivirale Wirkungsweise der von uns untersuchten Pflanzenextrakte sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wären solche Präparate eine wertvolle Ergänzung der Palette an etablierten Arzneistoffen."

Breite antivirale Wirkung auch gegen Ebola- und Marburg-Erreger

Die Extrakte der Zistrose waren nicht nur gegen HIV sondern auch gegen Viruspartikel mit Hüllproteinen von Ebola- bzw. Marburg-Viren aktiv. Die Wissenschaftler fanden auch Hinweise dafür, dass Cistus-Extrakte viele antivirale Inhaltsstoffe enthalten, die in Kombination wirken könnten. Zusammen mit der bereits in der Literatur beschriebenen antiviralen Aktivität von Cistus Extrakten gegen Influenzaviren, belegen die Ergebnisse die breite antivirale Wirkung von Cistus Extrakten gegen wichtige humanpathogene Viren.

Virusbedingte Infektionen zählen zu den zehn weltweit häufigsten Todesursachen bei Menschen (HIV/Aids: von der WHO auf Rang sechs gelistet). Die Entdeckungen eröffnen eine Reihe neuer Anwendungen im globalen Kampf gegen virale Infektionskrankheiten. Hierzu zählt etwa die Entwicklung von optimierten antiviralen Gemischen aus Pflanzenextrakten als Phytotherapeutika. Cremes oder Gels könnten als Mikrobizide die sexuelle Verbreitung von Erregern wie HIV verhindern, da Cistus-Extrakte die Infektiosität von Viruspartikel unterbinden.

Darüber hinaus sind Cistus- und Pelargonium-Pflanzenextrakte vielversprechende Quellen für die Isolierung von neuen Wirkstoffklassen bzw. -Molekülen. Die jetzt veröffentlichten weiterführenden Arbeiten im Labor zielen auf die Untersuchung der antiviralen Aktivitäten dieser pflanzlichen Extrakte beim Menschen und die Charakterisierung ihrer antiviralen Inhaltsstoffe ab. (red, 3.2.2016)

  • Auf diesem Bild ist eine Lack-Zistrose (Cistus ladanifer) zu sehen. Sie ist eine Verwandte der Cistus incanus, deren Extrakte HI-Viren bei allen Experimenten inaktivierten.
    foto: wikipedia/juan sanchez/(CC-Lizenz)

    Auf diesem Bild ist eine Lack-Zistrose (Cistus ladanifer) zu sehen. Sie ist eine Verwandte der Cistus incanus, deren Extrakte HI-Viren bei allen Experimenten inaktivierten.

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