An eine harte, aber gerechte Behörde zahlt man "gerne" Steuern

3. Februar 2016, 12:54
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Eine strikte Haltung wird geschätzt, ergab eine Wiener Studie

Wien – Wenn eine Behörde rigoros straft, aber dabei die "Richtigen" erwischt, fühlen sich Bürger bei ihr gut aufgehoben und zahlen ihre Steuern, fanden Wiener Psychologen heraus. Der Schlüssel zu einer guten Zahlungsmoral ist, dass das Finanzamt als vertrauensvoller und unterstützender Partner erlebt wird. Die Forscher identifizierten eine negative und positive Seite der Behörden-Macht.

Die Wiener Forscher gehen in ihrem sogenannten "Slippery Slope"-Modell davon aus, dass die Zahlungsmoral einerseits vom Machtgefüge zwischen dem Steuerzahler und der Behörde und andererseits vom Vertrauen in die Behörde abhängt. Weitere wichtige Aspekte in dem Machtgefüge sind die Steuerlast, die Höhe der drohenden Strafen und die Wahrscheinlichkeit überprüft zu werden.

Vertrauen in das Steuersystem hänge stark davon ab, wie gut Menschen über die Steuerbestimmungen informiert sind und ob sie sich gerecht behandelt fühlen, erklärte die Wirtschaftspsychologin Eva Hoffmann. Sie untersucht Steuerehrlichkeit zusammen mit Kollegen um Barbara Hartl vom Institut für Angewandte Psychologie: Arbeit, Bildung, Wirtschaft der Universität Wien im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts.

Die negative und die positive Seite der Macht

Dabei identifizierten die Wissenschafter zwei Arten von Macht: Einerseits "eine klare, harte Macht", die mit Strafen und der Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden zusammenhängt, sozusagen die negative Seite der Macht. Andererseits gebe es aber auch eine positive Macht, die unterstützende Seite der Behörde, indem sie sich bemüht, Steuerzahlen möglichst einfach und angenehm zu gestalten. Es könne nämlich auch attraktiver sein, mit "ein, zwei Knopfdrücken" die Abgaben abzuführen, "als sich lange und mühselig zu überlegen, wie ich hinterziehen kann", sagte Hofmann.

Im Gegensatz zur negativen Seite der Macht, die sich auf Bestrafung stützt, könne es bei der positiven Seite sogar zu einer gewissen Identifikation mit der Behörde kommen, da sich viele Durchschnittssteuerzahler mit dem Gesamtziel – nämlich Einkommen gerechter zu verteilen – prinzipiell identifizieren könnten.

Vertrauensbildung

In ihren Experimenten haben die Psychologen herausgefunden, dass die Konfrontation mit der negativen Seite der Macht nicht nur zu einem negativen Gefühl des Zwangs zum Zahlen führt. "Diese Strafen können ein Sinnbild für etwas sehr Positives sein", so Hofmann. Hat man nämlich Vertrauen, dass die Behörde die Hinterzieher findet und bestraft, fühlen die Menschen sich und ihren Steuerbeitrag gewissermaßen beschützt. Wenn nun beispielsweise Ex-Politiker mit zweifelhaften Methoden konsequenzlos Steuervermeidung betreiben oder sich Großkonzerne der Besteuerung teilweise entziehen, wirke das natürlich nicht förderlich.

Abseits davon führte in den Untersuchungen schon alleine der Umstand, dass die Steuerbehörde in den Experimenten mehr oder weniger unterstützend beschrieben wurde, zu einem anderen Verhalten der Testpersonen. "Anscheinend sind die Information über eine Steuerbehörde, die auch stark von den Medien weitergegeben werden, hier wesentlich", erklärte die Forscherin. Diese Erkenntnisse seien in diesem Zusammenhang neu und etwas, das in der Steuerpolitik und in der Kontrolle mitbedacht werden sollte.

Das passiere auch, denn einen Austausch zwischen den Wiener Psychologen und den Steuerbehörden gebe es schon seit einigen Jahren. Diese Zusammenarbeit habe zu "massiven Verbesserungen des Service-Angebots" geführt. Neben den Niederlanden sei "die österreichische Steuerbehörde hier wirklich ein Aushängeschild", sagte Hofmann. (APA, 3. 2. 2016)

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