Yahoo stellt sich zum Verkauf und streicht Jobs

3. Februar 2016, 07:51
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Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 1,6 Prozent auf gut 1,27 Milliarden Dollar

Der kriselnde Internet-Pionier Yahoo greift zu radikalen Maßnahmen. Erwogen wird der Verkauf von Unternehmensteilen für bis zu drei Milliarden Euro, in einem Umbau fallen rund 15 Prozent der Arbeitsplätze weg. Außerdem sollen "strategische Alternativen" geprüft werden, hieß es zur Vorlage aktueller Quartalszahlen nach US-Börsenschluss am Dienstag.

Mit dieser Formulierung stellte sich Yahoo faktisch zum Verkauf. Das Problem von Yahoo: Trotz aller Versuche von Chefin Marissa Mayer bekommt der Konzern sein Kerngeschäft mit Online-Werbung nicht in Schwung. Im vergangenen Quartal wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um gerade einmal 1,6 Prozent auf gut 1,27 Milliarden Dollar (1,16 Mrd. Euro). Es gab einen Verlust von 4,43 Milliarden Dollar nach einem Minus von 166,3 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Auslöser war eine gewaltige Firmenwert-Abschreibung von 4,46 Milliarden Dollar auf das Geschäft in Nord- und Lateinamerika sowie in Europa und bei der Blogplattform Tumblr.

Auch Tumblr verfehlt Ziele

Die Abschreibung – eine Wertberichtigung der überhöhten Preise aus Übernahmen – traf vor allem das Nordamerika-Geschäft mit einer Höhe von 3,7 Milliarden Dollar. Auf Tumblr entfielen 230 Millionen Dollar, hieß es in einer Telefonkonferenz nach der Zahlenvorlage. Die Blogplattform verfehlte ihr Ziel von 100 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr, hieß es. Yahoo hatte rund eine Milliarde Dollar für Tumblr bezahlt, um jüngere Nutzer anzulocken.

Der Stellenabbau geht mit der Schließung der Yahoo-Büros in Madrid, Mailand, Dubai, Buenos Aires und Mexiko-Stadt einher. Zum Ende dieses Jahres will der Konzern nur noch 9.000 Mitarbeiter und 1.000 externe Angestellte haben. Damit wäre die Belegschaft 42 Prozent kleiner als noch im Jahr 2012, betonte Yahoo. Der Abbau solle 400 Millionen Dollar pro Jahr sparen.

Aufsplittung

Beim Verkauf von Firmenteilen wolle Yahoo Bereiche loswerden, die nicht zum Kerngeschäft gehörten, hieß es. Das könnten etwa einige Patente und Immobilien sein. Dies solle bis Jahresende eine bis drei Milliarden Dollar einbringen.

Der Yahoo-Verwaltungsrat werde "strategische Vorschläge" prüfen, hieß es weiter. Schon seit einigen Monaten wurde über einen möglichen Verkauf spekuliert. Die Aktie gab nachbörslich um mehr als zwei Prozent nach, nachdem die Prognose für das laufende Quartal niedriger als erwartet ausgefallen war.

Yahoo tut sich auch unter Mayers Regie schwer mit der zentralen Frage, an der schon mehrere ihrer Vorgänger scheiterten: Wie münzt man die Reichweite von mehreren hundert Millionen Nutzern in ein profitables Geschäft um? Zu Mayers Antwort gehörte ein Ausbau des Mediengeschäfts mit Investitionen in Themen-Websites und Video-Inhalte. So ließ sie die im TV abgesetzte Serie "Community" online wieder aufleben, bei der sie auf eine eingefleischte Fangemeinde hoffte. Dennoch brachte die Video-Offensive einen Verlust von 40 Millionen Dollar ein. (APA, 3.2.2016)

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Yahoo

  • Yahoo-Boss Marissa Mayer kriegt die Online-Werbung bei Yahoo nicht ins Laufen.
    foto: apa / afp / beck

    Yahoo-Boss Marissa Mayer kriegt die Online-Werbung bei Yahoo nicht ins Laufen.

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