Was heute normal ist

Einserkastl2. Februar 2016, 17:48
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Teuer ist normal, und was früher normal war, ist heute langsam

Die größte aufklärerische Errungenschaft unserer Gesellschaft in jüngster Zeit betrifft ohne Zweifel die – fast – allgemeine Einschätzung dessen, was als "normal" gelten darf. Was alles vor fünfzig Jahren noch nicht in diese Kategorie fiel und jetzt ... na eben völlig normal ist, gibt Anlass zur Hoffnung auf die Entwicklungsfähigkeit der menschlichen Spezies inklusive der Subspezies Homo austriacus.

Nicht, dass es nicht manchmal verwirrend wäre. Dass Institutionen, die vor den oben angeführten und symbolisch gemeinten fünfzig Jahren noch als "Ämter" (und ihre Angehörigen als "Beamte") galten, besonders gerne dieser Verwirrung anheimfallen, ist wahrscheinlich auch, ähem, normal.

Also, da geht man eben nicht mehr auf die Post, sondern zum Postpartner. Die gelben Plattfüße auf dem Boden leiten einen vorbei an allem, was man nicht braucht, bis zum – ein Begriff aus einem anderen Postzeitalter – Schalter. Dort will man, nicht im übertragenen, sondern im konkreten Sinn ein (größeres) Buch aufgeben, und als informierter Kunde weiß man sogar, dass es per "Economy Brief Großbrief" um 9,90 Euro – a net schwach – reisen wird.

"Normal oder langsam?", wird man gefragt. Da man annimmt, dass "normal" für die Post "normal" ist, wählt man "normal": Und siehe da, das ist dann die kostspielige Priority-Variante. Teuer ist normal, und was früher normal war, ist heute langsam. Zahllastumkehr.

(Gudrun Harrer, 2.2.2016)

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