Von Goldalgen und Kleinkrebsen

7. Februar 2016, 09:00
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Ungarischer Ökologe Csaba Vad erhielt EU-Stipendium für Projekt am Wassercluster Lunz

Für manche Seenbewohner bringt der Klimawandel auch Vorteile – so wird prognostiziert, dass sich die Goldalgen, auch genannt Chrysophyceen, durch die Erwärmung stärker vermehren werden. Was das für ihre Mitbewohner, insbesondere das tierische Plankton, bedeutet, wird künftig vom 30-jährigen Biologen Csaba Vad am Wassercluster Lunz erforscht. Der ungarische Wissenschafter erhielt für sein Projekt ChrysoWeb eines der renommierten zweijährigen Marie-Curie-Stipendien der EU.

Das Auftreten von Algenblüten in nährstoffreichen Gewässern wird in der Wissenschaft breit diskutiert, "doch der Effekt des globalen Klimawandels auf nährstoffarme alpine Seen erfährt nur wenig Aufmerksamkeit", sagt Vad. Auch in diesen Seen könne man aber Phänomene wie das sogenannte Browning (die zunehmende Braunfärbung der Gewässer durch zugeführtes organisches Material), den Temperaturanstieg durch den Klimawandel und eben auch ein verstärktes Wachstum von Goldalgen beobachten. Zugleich legen bisherige Arbeiten nahe, dass Goldalgen das tierische Plankton beeinträchtigen.

Ob das so ist, und wenn ja, warum, ist Thema von Vads Projekt – und eine wichtige Frage für das Gleichgewicht von Seen, so der Ökologe: "Die Planktonorganismen sind klein, spielen aber eine sehr wichtige Rolle im Nahrungsnetz der Seen." Zooplankton ist die Nahrung für viele Fischarten, vor allem für Jungfische. Veränderungen in der Menge oder der Zusammensetzung von Kleinkrebsen und Co können daher auch die Fischpopulation beeinflussen.

Im Labor nimmt Vad anhand von Proben verschiedener deutscher und österreichischer Seen das Zusammenspiel von Goldalgen und Kleinkrebsen unter das Mikroskop. "Ich werde Goldalgenarten an verschiedene Zooplankter verfüttern und die Reaktionen beobachten." Biochemische Analysen sollen zudem zeigen, ob Goldalgen eine schlechte Nahrungsquelle für die Kleinkrebse darstellen oder gar giftig sind; zusätzlich führt der Ökologe Experimente im Lunzer See sowie in Seeon durch. Mit 1. Februar startete ChrysoWeb offiziell, erste Vorstudien am Wassercluster führte Vad jedoch, finanziert durch ein Ernst-Mach-Stipendium des Österreichischen Austauschdienstes OeAD, bereits ab September 2015 durch.

Den Wassercluster Lunz – eine Forschungsstation von Uni Wien, Boku Wien und Donauuni Krems – lernten Vad und seine Frau Zsófia Horváth, die ebenfalls Zooplankton erforscht, bei einer Konferenz für Nachwuchsforscher im Jahr 2010 kennen. In weiterer Folge begann Horváth in Lunz zu arbeiten, und ihr Mann, damals noch Dissertant an der Budapester Eötvös-Loránd-Universität, wurde zum Lunz-Pendler: "Ich kenne Lunz schon recht gut", schmunzelt er.

Die Idee für das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit seinem jetzigen Betreuer Robert Ptacnik. Den Wassercluster schätzt er als Arbeitsumgebung: "Sehr motivierte Leute, viele in meinem Alter, die Zusammenarbeit ist sehr gut." Für Forscher im Postdocstadium sei es kaum möglich, weit vorauszuplanen, doch für ein bis zwei weitere Projekte würde das Paar gerne noch in Lunz bleiben. Zwar ist das Lunzer Freizeit- und Shopping-Angebot nicht mit dem in Budapest vergleichbar, dafür will Vad jetzt Ski fahren lernen. (Heidemarie Weinhäupl, 7.2.2016)

  • Csaba Vad macht Studien zum Nahrungsnetz in österreichischen und deutschen Seen.
    foto: wassercluster lunz

    Csaba Vad macht Studien zum Nahrungsnetz in österreichischen und deutschen Seen.

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