Sebastian Herkners Vorstellungen vom idealen Wohnen

8. Februar 2016, 15:33
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Der deutsche Designer ist in aller Munde. Dazu hat auch sein Projekt "das Haus" auf der Kölner Möbelmesse beigetragen

Da wäre der Münchner Designer Konstantin Grcic. Für viele ist er ein ganz großer, wenn nicht der allergrößte Designstar überhaupt. Stefan Diez, ebenso in München beheimatet, ist auch kein Kleiner mehr. Zügig in diese Riege aufzurücken, das ist, woran Sebastian Herkner aus Offenbach emsig arbeitet. Mit Erfolg, denn zurzeit ist er der Mann der Designstunde. Unter anderem darum, weil er vor kurzem das prestigeträchtige Projekt "das Haus" auf der Kölner Möbelmesse präsentierte.

Dabei geht es alljährlich darum, auf einer ca. 240 Quadratmeter großen Fläche die Vision eines Designers vom "idealen Wohnen" in Form eines simulierten Wohnhauses zu präsentieren. Reflektiert werden sollen gegenwärtige Einrichtungstrends, Publikumssehnsüchte, aber auch der gesellschaftliche Wandel. Vor dem 34-jährigen Herkner, der sein Studio 2006 in Offenbach eröffnete, taten dies unter anderem das indisch-britische Designerteam Nipa Doshi und Jonathan Levien, der Designer Luca Nichetto und Louise Campbell.

Nun durfte also Sebastian Herkner ran, der für seine 34 Lenze eine ganz schön beeindruckende Kundenliste vorzuweisen hat, darunter Namen wie: e15, Moroso, Fontana Arte, Gubi, Rosenthal, Classicon oder Dedon. Entworfen hat er Möbel und Leuchten ebenso wie Tableware oder Showrooms. Nicht wenige neue Designs waren neben dem "Haus" auch auf der imm cologne zu sehen und machten die Messe zu wahren Herkner-Festspielen.

foto: koelnmesse / constantin meyer

Runde Sache

Herkner, der unter anderem bei Stella McCartney in London gelernt hat, ging die Sache mit dem "Haus" abstrakt und doch sinnlich an. Sein Gefühl für Gestaltung ist geprägt von einem originellen Zugang, der ohne Schnickschnack auskommt. Er entwirft mit viel Gefühl für Farbe und Material sowie mit Leidenschaft fürs Handwerk, das er dort, wo es Sinn macht, auch mit Hightechverfahren in Berührung bringt. Handwerk, das ist für Herkner das, was die Menschen hinter einem Objekt spüren lässt. Handwerk, das erforscht er auf Reisen in sämtliche Erdteile.

Herkners rund gehaltenes "Haus" besticht durch Offenheit. Diese vermittelt Gastfreundschaft und Barrierefreiheit – körperlich wie geistig. Gestalterisch wird dies über eine Art Innenhof transportiert, über den alle Bereiche wie Bad, Küche, Wohnen und Schlafen erreichbar sind. Auch die Wände unterstreichen den flexiblen Gedanken. Diese wirken durch ihre textilen Schichten fließend, bringen mehr oder weniger Transparenz und Durchlässigkeit. Das macht Herkners Haus einladend. Der Gestalter erschuf es reziprok zum weißen Würfel. Seine Wohnidee spricht eine Formensprache, die weiter von einem deutschen Designklischee à la Dieter Rams oder gar Bauhaus nicht entfernt sein könnte.

Herkner mixt und versteckt nichts hinter Regaltüren. "Ein Produkt braucht eine Ausstrahlung, eine gewisse Persönlichkeit", sagt Herkner und weiß diese Persönlichkeiten zu versammeln, ohne sie inszeniert wirken zu lassen. Die Möbel im "Haus" stehen weitgehend frei, sie sind nicht angeordnet, sondern anwesend, mitunter sogar olfaktorisch.

foto: koelnmesse / constantin meyer

Seine Wände für das Badezimmer sind aus Seife gefliest, die den Duft von Blumenfeldern ins Haus bringen soll. Mit Rosenthal wurde ein Paravent aus Porzellanperlen erarbeitet, die Kacheln in der Küche stammen von einem Ofenbauer. Man sieht: Handwerk und Sinnlichkeit, wohin der Blick auch schweift, in einem Haus, das ohne Anfang und ohne Ende zu sein scheint.

Dem vielfach ausgezeichneten Sebastian Herkner ist es gelungen, mit seinem Projekt eine Möglichkeit von "freierem" Wohnen durchzuspielen und zugänglich zu machen. Und noch etwas: So abgelutscht der Begriff "authentisch" auch sein mag, in Zusammenhang mit Herkners Zugang scheint er frisch, frei und ehrlich, denn genau so präsentiert Herkner seine Vorstellung vom Einrichten.

Im Weiteren ist es ganz wunderbar, dass der Designer gerade zwischen Hochglanzmesseständen zeigt, wie herrlich normal Wohnen funktionieren kann, wenn man sich nicht durch Normen und Stilvorlagen davon abschotten lässt. (Michael Hausenblas, RONDO, 8.2.2016)

  • Auf einem sehr sinnlichen Weg, abseits deutscher Klischees wie Reduziertheit und Aufgeräumtheit, designt sich Sebastian Herkner in die erste Riege zeitgenössischer Entwerfer.
    foto: lutz sternstein

    Auf einem sehr sinnlichen Weg, abseits deutscher Klischees wie Reduziertheit und Aufgeräumtheit, designt sich Sebastian Herkner in die erste Riege zeitgenössischer Entwerfer.

  • Das Innere von "das Haus" auf der Kölner Möbelmesse. Für Sebastian Herkner ist es ein Mix  aus Offenheit, Material, Farbe  und freilich auch Form.
    foto: koelnmesse / constantin meyer

    Das Innere von "das Haus" auf der Kölner Möbelmesse. Für Sebastian Herkner ist es ein Mix aus Offenheit, Material, Farbe und freilich auch Form.

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    foto: koelnmesse / constantin meyer
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