Als Frau kandidieren? Nein, danke

Userkommentar3. Februar 2016, 13:16
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Politik und Wirtschaft funktionieren nach männlichen Spielregeln: Konkurrenz, Kampf, Sieg, Macht. Empathie und Zusammenarbeit sind nachrangig

Unter den fünf Kandidaten für das höchste Amt im österreichischen Staat ist nur eine Frau, die parteilose Kandidatin Irmgard Griss. Keine einzige Partei hat eine Frau nominiert. Auch das Aufsteigen von Frauen in die Vorstandsetagen der Wirtschaft geht zäh voran.

Politik und Wirtschaft funktionieren nach männlichen Spielregeln: Konkurrenz, Kampf, Sieg, Macht. Die "gleichen Chancen" für beide Geschlechter sind vordergründig. Sie hängen weniger von Kompetenz in der Sache als von Durchsetzungskraft und Stresstoleranz ab. Es gilt das Recht des brachial Stärkeren und Dreisteren.

Männliche Spielregeln

Weibliche Stärken wie Empathie und Kooperation sollen nur das männliche Prinzip von Wachstum und Wettbewerb bedienen. Erfolg ist das oberste Gebot. Kälte und Frustration in den Unternehmen spiegeln diese Haltung.

Wenn eine Frau an die Spitze kommen und sich dort behaupten will, muss sie dies nach männlichen Spielregeln tun. Dass viele Frauen sich dem verweigern, liegt nicht an mangelnden Fähigkeiten. Sie sehen keinen Sinn darin, ihre Kraft für Machtkämpfe und Erfolgsrausch zu verschwenden. Selbst wenn manche auf diesen Zug aufspringen, wird er vielen auf Dauer zu langweilig. Kein Wunder, dass Frauen sich nicht darum reißen, in Wirtschaftsforen zu sitzen, wo es wieder um dieselben Spielregeln geht.

Empathie und Zusammenarbeit

Vor vielen tausend Jahren funktionierten die Gesellschaften mittels weiblicher Prinzipien von Empathie und Zusammenarbeit. Auf dieser Basis entstanden Wohlstand und friedliches Zusammenleben. Bis das männliche Prinzip von Konkurrenz und Kampf uns überrannte. Mit dem Ergebnis, dass immer mehr Menschen, trotz Wohlstandes, frustriert sind.

Es ist an der Zeit, die wirkliche Gleichstellung der Geschlechter in Wirtschaft und Politik einzuläuten. Wenn wir Frauen in oberste Positionen bringen und dort halten wollen, brauchen wir Gleichwertigkeit weiblicher und männlicher Kräfte. Kooperation statt Konkurrenz, Empathie statt Selbstbezogenheit, keine öffentliche Bewunderung für "Kämpfer" und Großmäuler aller Art. Das erfordert Courage von uns allen. (Anja Krystyn, 3.2.2016)

Anja Krystyn ist Medizinerin und Autorin. Im Herbst erschien ihr Roman "Die Beine der Spitzentänzerin".

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