Einzelne Ameisenarten können Ökosysteme enorm beeinflussen

6. Februar 2016, 15:29
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Forscher untersuchten den Ressourcenverbrauch von Ameisen in tropischen Regenwäldern und fanden heraus, dass dabei oft eine einzige Art dominiert

Mainz – Staatenbildende Insekten machen rund ein Drittel der gesamten tierischen Biomasse aus. Kein Wunder also, dass ihr Einfluss auf die Ökosysteme der Welt groß ist. Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben nun in tropischen Regenwäldern die Bedeutung von Ameisenarten für verschiedene Prozesse in Ökosystemen untersucht. Dabei stellten sie fest, dass beim Verbrauch von Nahrungsressourcen oft nur wenige oder sogar nur eine einzige Ameisenart dominiert.

Die Biologen um Florian Menzel fanden insbesondere in den Wäldern Borneos Ameisenarten, die extrem effizient sind und einen Großteil des Nahrungsangebots aufnehmen. Für ihre Studie im Fachblatt "Ecology" quantifizierten sie erstmals den Ressourcenverbrauch unterschiedlicher tag- und nachtaktiven Ameisenarten: In insgesamt vier Wäldern legten sie 64 Sammelplätze an und brachten natürliche Nahrungsquellen aus – unter anderem lebende Insekten verschiedener Größe, tote Insekten, Zucker, der in süßen Früchten oder Nektar vorkommt, aber auch Zucker, wie er von Blattläusen produziert wird.

Hochaktive Völker

"Wir haben analysiert, welche Ameisenarten welche Nahrung aufsuchen, und gemessen, wie stark jede Art zum Verbrauch beiträgt", sagt Menzel. "Daraus können wir die Stabilität des Systems berechnen." In den Tropen herrscht eine enorm große Artenvielfalt: Auf einer Fläche von einem Hektar können mehr als 100 Ameisenarten vorkommen. Manche sind nur tagsüber, andere nur nachts aktiv. Ob eine Art bei Tag, bei Nacht oder durchgehend aktiv ist, hat jedoch großen Einfluss auf die Stabilität eines Ökosystems. Wenn tagsüber und nachts verschiedene Arten aktiv sind, erhöht dies die Gesamtstabilität des Ökosystems.

Es zeigte sich, dass Artenreichtum und Stabilität in manchen Wäldern bei Nacht wesentlich geringer sind als bei Tag. Zudem wurde ersichtlich, dass ein hoher Nahrungsumsatz nur durch die Anwesenheit von "Hochleistungsameisen" erreicht wurde und nicht durch gleich große Beiträge einer Vielzahl weniger effizienter Arten: Auf den Versuchsflächen in Borneo war die aktivste Ameisenart alleine für mehr als die Hälfte des gesamten Nahrungsverbrauchs verantwortlich.

Suche nach den Ursachen

"Diese hoch effizienten Arten können in manchen Wäldern das gesamte System dominieren. Sie steigern den momentanen Ressourcenumsatz, machen das System gleichzeitig aber auch anfälliger, da ihr Rückgang nicht durch andere Arten kompensiert werden kann", so Menzel. Dieser Befund ist insbesondere relevant, weil Ameisen eine wichtige Rolle in vielen Prozessen eines Ökosystems spielen: Etwa beim Abbau tierischer Biomasse, der Verringerung von Samen und der Bestandszahl anderer Insekten.

Als nächstes wollen Menzel und Kollegen diesem Phänomen erforschen, was genau diese hoch effizienten Arten so erfolgreich macht. Ursachen könnten eine hohe Nahrungsspezialisierung, die Fähigkeit zum schnellen Auffinden der Nahrung oder morphologische Gründe sein. (red, 6.2.2016)

  • Eine Kippleibameise (Crematogaster modiglianii) hat in Borneo einen Pflanzensamen ergattert.
    foto: florian menzel

    Eine Kippleibameise (Crematogaster modiglianii) hat in Borneo einen Pflanzensamen ergattert.

  • Die Ameisenarten Crematogaster levior (links) und Ectatomma tuberculatum (rechts) umsorgen Zikadenlarven, die im Larvalstadium von Ameisen gepflegt werden.
    foto: florian menzel

    Die Ameisenarten Crematogaster levior (links) und Ectatomma tuberculatum (rechts) umsorgen Zikadenlarven, die im Larvalstadium von Ameisen gepflegt werden.

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