Marco Rubio, heimlicher Gewinner von Iowa

2. Februar 2016, 15:07
58 Postings

Im Wettbewerb um die Präsidentschaft könnte sich US-Senator Marco Rubio als Hoffnung für den gemäßigten Flügel der Republikaner erweisen

Marco Rubio hat den Caucus in Iowa nicht gewonnen. Er fuhr nur das drittbeste Ergebnis der Republikaner in Iowa ein: Und trotzdem, all jene, die ihn immer schon als Geheimtipp sahen, fühlen sich nun bestätigt. Der 44-jährige republikanische Senator aus Florida landete beim Vorwahlauftakt in Iowa nur knapp hinter dem Zweitplatzierten, dem exzentrischen Multimillionär Donald Trump. Und bemerkenswerte acht Prozentpunkte über seinen Umfragewerten von rund 15 Prozent. Damit liegen die Hoffnungen der sogenannten Moderaten in der Partei auf dem jungen, dynamischen Rubio, der sich selbst gerne als einen der wenigen zukunftsorientierten Kandidaten sieht.

Rubios Strategie baut auf einem einfachen Narrativ auf: Er, Sohn von Einwanderern aus Kuba, verkörpere den amerikanischen Traum. Die Familie kam 1956 in die Staaten, der Vater, der mit neun Jahren seine Schulausbildung abbrechen musste, verdiente sein Geld als Barkeeper, Unternehmer und Schülerlotse. Die Mutter arbeitete als Zimmermädchen und später Lagerverwalterin der Handelskette Kmart. Dem ehrgeizigen jüngeren Sohn Marco ermöglichte unter anderem ein Football-Stipendium den College-Abschluss. Mit 25 Jahren promovierte er an der University of Miami zum Doktor der Rechtswissenschaften. Bereits acht Jahre später verdiente Rubio ansehnliche 100.000 Dollar im Jahr als Anwalt. Seine politische Karriere war zu dieser Zeit schon am Laufen, die Tea Party half ihm 2011 beim Einzug in den Senat. Mittlerweile grenzt sich Rubio von der Bewegung ab.

Moderater Republikaner

Er positioniert sich als moderater Kandidat, wählbar sowohl für die republikanische Mitte als auch für die wichtige Wählergruppe der Hispanics, die traditionell eher für die Demokraten stimmen. Im Gegensatz zu radikaleren Kandidaten wie Trump und Cruz – der übrigens im Gegensatz zu Rubio trotz kubanischer Wurzeln kaum Spanisch spricht – vertritt Rubio in den USA massentauglichere Positionen. Wahlen, so heißt es immer wieder, gewinnt man an der Parteibasis. Rubio plädiert für eine Steuerreform, die dem Mittelstand, aber auch den Reichen nutzt. Er lehnt Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe ab, fordert eine umfassende Sanierung des Staatshaushalts, die Rücknahme der Gesundheitsreform von Barack Obama, eine Einwanderungsreform und ein besseres Hochschulsystem. Außenpolitisch gilt er als Hardliner, der Obamas militärisch eher zurückhaltende Haltung kritisiert.

Einwanderungsreform

Unbeliebt machte sich Rubio 2013 bei den Konservativen mit seiner Unterstützung einer Einwanderungsreform. Er wollte schärfere Grenzkontrollen mit einer Regelung verbinden, die Einwanderern, die bereits im Land sind, die Erlangung der Staatsbürgerschaft ermöglicht. Die Reform scheiterte, und Rubio änderte seine Position zu einer massentauglicheren Grenzsicherungsdevise. Von der von Trump postulierten Mauer zu Mexiko distanziert er sich dagegen strikt.

Ein weiterer "Positionswechsel" könnte ihm eventuell potenzielle Wähler kosten: Über mehrere Jahre hinweg bekannte sich Rubio zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, den Mormonen. Mittlerweile bezeichnet er sich selbst wieder als Katholik.

Seine Förderer, aber auch mehrere einflussreiche Republikaner halten ihn auf alle Fälle für den einzigen mehrheitsfähigen Kandidaten im Feld. Kein Kompliment für Jeb Bush, der ebenfalls als moderater Kandidat gilt, bisher aber sehr farblos blieb.

Als Rubio nach der Verkündung des Sieges für Ted Cruz in Iowa die Wahlkampfbühne betrat, klang der Drittplazierte wie ein Sieger: "So this is the moment they said would never happen", rief er seinen Anhängern zu und meinte damit natürlich sein unerwartet gutes Ergebnis. Rubio hat in Iowa nicht gewonnen. Aber er lauert im Schatten von Trump und Cruz auf seine Chance. (Manuela Honsig-Erlenburg, 2.2.2016)

  • Marco Rubio (44) mit seiner Familie. Auch die Eltern seiner Frau Jeanette Dousdebes, einer Bankangestellten, sind Einwanderer, und zwar aus Kolumbien. Das Paar hat vier Kinder, die beiden Töchter Amanda und Daniella und die beiden Söhne Anthony und Dominic.
    foto: afp

    Marco Rubio (44) mit seiner Familie. Auch die Eltern seiner Frau Jeanette Dousdebes, einer Bankangestellten, sind Einwanderer, und zwar aus Kolumbien. Das Paar hat vier Kinder, die beiden Töchter Amanda und Daniella und die beiden Söhne Anthony und Dominic.

Share if you care.