Google will alleinige Kontrolle über Nexus-Geräte übernehmen

2. Februar 2016, 11:04
82 Postings

Bericht: Einfluss der Hardwarepartner wird zurückgedrängt – Nexus 5X und 6P unter den Erwartungen

Googles Nexus-Programm hat in den letzten Jahren zahlreiche Wandlungen erfahren. Einst als Smartphones für Entwickler entworfen, stand vor nicht all zu langer Zeit sogar das komplette Aus dieser Reihe im Raum. Letztes Jahr folgte dann aber die Kehrtwende, statt einem gab es 2015 gleich zwei neue Nexus-Smartphones. Noch dazu welche, bei denen Google erstmals einige Komponenten selbst lieferte.

Kontrolle

Ein aktueller Bericht von "The Information" legt nun nahe, dass Google diese Entwicklung weiter forcieren will. Demnach soll der Android-Hersteller künftig volle Kontrolle über Design und Zusammenstellung der Nexus-Geräte ausüben. Die bisherigen Hardwarepartner würden so zu reinen Zulieferern analog zur Rolle, die Foxconn für Apple einnimmt, behauptet Autor Amir Efrati. Ob dieser Vergleich passend ist, darf allerdings angezweifelt werden. Immerhin kontrolliert Apple wirklich jedes noch so kleine Detail der Entwicklung hinab zu den eigenen Prozessoren. Würde Google diesen Weg beschreiten wollen, müssten man die eigene Hardwareabteilung massiv aufstocken, und dies geht nicht so einfach von einem Tag auf den anderen.

Motivationssuche

Trotzdem zeichnet sich damit immer deutlicher ab, dass Google die Nexus-Reihe künftig stärker forcieren will. Bleibt natürlich die Frage zur dahinterstehenden Motivation. Immerhin hatte Google das Nexus-Programm bislang beabsichtigt klein gehalten, um die eigenen Partner im Android-Umfeld nicht zu verärgern. Tritt Google mit eigenen Smartphones doch in direkte Konkurrenz zu Samsung und Co.

Neue Perspektive

Das Umdenken in der Googleschen Chefetage soll nun vor allem von zwei Überlegungen getrieben sein. Einerseits sei Google besorgt, dass Apple das High-End-Segment bei Smartphones zunehmend alleine dominiert, und traut anderen Herstellern offenbar nicht zu, hier etwas entgegenzusetzen. Gleichzeitig geht es aber auch um den eigenen Einfluss auf das Android-Ökosystem, sei es beim Design oder auch bei neuen Entwicklungen, die von so manchen Partnern bisher nur zögerlich aufgenommen würden. Steigende Nexus-Umsätze könnten andere Android-Anbieter in Hinblick auf die Softwareausstattung unter Zugzwang bringen.

Verkaufsziele nicht errreicht

Darüber hinaus liefert der Bericht aber noch einige weitere interessante Innenansichten zum Status des Nexus-Programms. Demnach haben sowohl Nexus 5X als auch 6P die intern gesteckten Verkaufsziele bisher nicht erreichen können, auch wenn man betont, dass diese "optimistisch" festgelegt waren. Dies könnte ein weiterer Motivationsfaktor für eine stärkere Kontrolle über die Nexus-Hardware sein, auch wenn die größten Hürden für eine weitere Verbreitung dieser Geräte wohl eher in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu suchen sind.

Googles Anteil

Etwas überraschend ist hingegen ein weiteres Detail des Berichts. Demnach wandern 15 Prozent des Verkaufspreis eines Nexus direkt an Google. Bisher waren die meisten Beobachter von einem deutlich niedrigeren Anteil ausgegangen, oder aber dass Google sogar ganz auf eine Beteiligung verzichtet. Letzteres soll auch in der Vergangenheit bei einigen Geräten der Fall gewesen sein, ein weiterer Hinweis darauf, dass Google den Hardwareverkauf als zusätzliches finanzielles Standbein aufbauen will.

HTC

Die besten Karten für die Produktion der nächsten Nexus-Generation soll laut dem Bericht derzeit HTC haben. Entsprechende Spekulationen waren schon in den letzten Wochen kursiert. Das Unternehmen hätte jedenfalls einen Erfolg dringend nötig, und würde dafür wohl auch zahlreiche Zugeständnisse an Google eingehen. Insofern könnte es heuer der perfekte Partner für neue Nexus-Geräte sein.

Vorgeschichte

Bereits vor einigen Wochen hatte dieselbe Quelle berichtet, dass Google mit dem Bau eines eigenen Smartphones liebäugle. Dies muss allerdings kein Widerspruch sein: Ein schrittweiser Ausbau des Nexus-Programms und eine verstärkte Kontrolle über Komponenten und Design würden langfristig wohl auf das selbe hinauslaufen. Im Tablet-Bereich hat man diesen Schritt ohnehin schon vollzogen, hier gibt es seit einigen Wochen mit dem Pixel C das erste von Google selbst entworfene Gerät. (Andreas Proschofsky, 2.2.2016)

  • Beim Nexus 6P hat Google bereits einige Komponenten selbst eingebracht, in Zukunft will das Unternehmen offenbar ganz die Kontrolle übernehmen.
    foto: tony avelar / ap

    Beim Nexus 6P hat Google bereits einige Komponenten selbst eingebracht, in Zukunft will das Unternehmen offenbar ganz die Kontrolle übernehmen.

Share if you care.