Österreichische Kinder bei Multiple-Choice-Aufgaben besser

2. Februar 2016, 10:24
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"Offene" Fragen schwieriger – Probleme bei Interpretationen

Wien – Österreichische Volksschüler erzielen bei Multiple-Choice-Aufgaben vergleichsweise bessere Ergebnisse als bei offenen Formaten, wo sie selbst eine Antwort formulieren müssen. Das zeigt eine Auswertung im Expertenbericht zur Volksschul-Lesestudie PIRLS. Sie haben außerdem Schwierigkeiten beim Interpretieren von Informationen bzw. von literarischen Texten.

In dem vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) herausgegebenen Bericht analysieren Wissenschafter die Detailergebnisse der 2011 durchgeführten Volksschul-Vergleichsstudien PIRLS. Insgesamt erreichten die österreichischen Schüler der vierten Klasse Volksschule 529 Punkte und lagen damit über dem Schnitt aller Teilnehmerländer (512 Punkte), aber etwas unter dem EU-Schnitt (534).

"Leseabsichten" untersucht

Die PIRLS-Aufgaben überprüften dabei vier verschiedene sogenannte Verstehensprozesse: "Erkennen und Wiedergeben explizit angegebener Informationen", "Ziehen einfacher Schlussfolgerungen", "Interpretieren sowie Verknüpfen von Gedanken und Informationen" und "Untersuchen und Bewerten von Inhalt, Sprache und einzelnen Textelementen". Dazu wurden noch zwei "Leseabsichten" untersucht – einerseits "um literarische Erfahrungen zu machen" und andererseits "um Informationen zu gewinnen".

Durch die Analyse einzelner Aufgaben untersuchten Karl Blüml und Sandra Filzmoser, welche Aufgabenarten den heimischen Schülern vergleichsweise leicht oder schwer fielen. Verglichen wurde dabei einerseits mit dem Schnitt aller PIRLS-Länder und andererseits mit Deutschland (wegen des ähnlichen Schulsystems und der gleichen Sprache) und England (wegen der Hypothese, dass Schüler in angelsächsischen Ländern mit dem Multiple-Choice-Format vertrauter sind).

Kein Gewöhnungseffekt

Ergebnis: "Grosso modo" lassen sich im Vergleich zu Deutschland und England keine gravierenden und durchgehenden Unterschiede erkennen. Vor allem ließ sich kaum bestätigen, dass eine "Gewöhnung" an das Multiple-Choice-Format einen Unterschied ausmachte. Vielmehr war es umgekehrt: "Österreichische Kinder haben mit offenen Antworten bei Informationstexten deutlich größere Schwierigkeiten als deutsche und englische, sie liegen nur knapp über dem PIRLS-Schnitt".

Generell galt: Österreichische Kinder haben bei geschlossenen Antwortformaten (Multiple Choice) im Vergleich mit anderen Ländern bessere Ergebnisse als bei den offenen. Sie sind beim Identifizieren direkt im Text genannter Informationen und bei einfachen Schlussfolgerungen "erkennbar besser" als beim Verknüpfen und Interpretieren von Informationen und beim Untersuchen und Bewerten von Inhalt und Sprache in einem Text. Außerdem haben sie "ein Problem damit, wenn sie in literarischen Texten Interpretationen vornehmen sollen, die nicht direkt aus dem Text erschließbar sind und die sie dennoch aus dem Text belegen sollen".

Umgekehrt haben die österreichischen Kinder vergleichsweise weniger Probleme mit dem Verständnis von eher schwer eingestuften Texten und damit, aus einem Text Informationen zu entnehmen und daraus einfache Schlüsse zu ziehen.

Kinder brauchen mehr Anleitung

Für die Forscher leitet sich daraus etwa ab, dass die Kinder mehr Anleitung zum genauen Lesen brauchen, um Details wahrzunehmen und diese in einen interpretatorischen Zusammenhang zu bringen. Außerdem seien auch die Nicht-Sprach-Fächer gefordert, Lese- bzw. Textverstehen mit den Kindern zu trainieren und einzufordern. Mehr Übung brauche es außerdem im eigenständigen Formulieren von Antworten. (APA, 2.2.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa / roland schlager
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