Betrugsprozess: Blackout mit Louis Vuitton

7. Februar 2016, 10:00
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Eine 40-Jährige soll im Internet teure Taschen verkauft haben, die es gar nicht gab. Sie sagt, private Probleme seien der Grund

Wien – Michaela Pammer (Name geändert, Anm.) sitzt nicht wie ein Häufchen, sondern wie ein Berg Elend vor Richterin Sylvia Primer. Was nicht überrascht: Der 40-Jährigen wird nicht nur gewerbsmäßiger schwerer Betrug vorgeworfen, es geht möglicherweise um ihre ganze Existenz.

Bisher ist sie noch nie gerichtlich aufgefallen, sie hat auch einen Job als Pflegehelferin in einem Krankenhaus der Gemeinde Wien, der gar nicht so schlecht bezahlt ist. Trotzdem soll sie zwischen Juni und November 2015 insgesamt 21-mal im Internet nichtexistente Taschen der Luxusmarke Louis Vuitton angeboten und das Geld dafür kassiert haben.

Vom Mann belogen und betrogen

"Warum machen Sie sowas?", fragt Primer. "Es war ein totales Blackout. Ich mache sowas nie wieder", antwortet die Angeklagte flehentlich. Und liefert eine Begründung für das Blackout: "Ich hatte eine schwere Zeit. Ich habe erfahren, dass mein Mann mich belogen und betrogen, ein Kind mit einer anderen gehabt hat."

"Was für Auswirkungen hätte eine Vorstrafe beruflich für Sie?", interessiert die Richterin auch. "Eine Verurteilung wäre eine Katastrophe!", schluchzt Pammer auf. "Wir müssen der Gemeinde alle vier, fünf Monate ein Leumundszeugnis vorlegen!" – "Gilt für die Gemeinde auch die beschränkte Aufsichtspflicht, also scheinen Strafen bis zu drei Monaten nicht auf?"

Die Angeklagte weiß das ebenso wenig wie die Richterin. Laut Paragraf sechs des Tilgungsgesetzes scheint das übrigens nicht so zu sein.

Schaden fast gutgemacht

Da die Gemeindebedienstete, die im Internet auch die Namen ihrer Mutter und ihrer besten Freundin verwendet hat, mittlerweile fast den gesamten Schaden gutgemacht hat, ist Primer milde. "Ich sehe sie jetzt nicht als Schwerkriminelle, auch wenn die vielen Fälle nicht gut aussehen", sagt sie.

Um ihr die mögliche Arbeitslosigkeit zu ersparen, entscheidet sie sich für eine Diversion, bei der sie dem Staat 3.500 Euro zahlen muss. Auch die Staatsanwältin ist einverstanden. (Michael Möseneder, 7.2.2016)

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