Wie die Personalsuche innovativer werden soll

2. Februar 2016, 09:00
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In einer vernetzten Arbeitswelt stehen Organisationen vor neuen Herausforderungen, um Mitarbeiterengagement und Produktivität zu garantieren

Ob Personalsuche, Talent- oder Performance-Management: Nichts geht mehr ohne Feedback. Das ist einer der großen Trends, die den "Predicitons 2016"-Report von Bersin by Deloitte durchziehen.

Für alles ein App

Wer da an jährliche Mitarbeitergespräche denkt, ist ziemlich oldschool unterwegs. Einfach, zeitnah und möglichst direkt, etwa mithilfe von Apps, soll das moderne Feedback in der Arbeitswelt sein. Angebote an solchen Tools gebe es bereits einige, sagt Anna Nowshad, Managerin im Human Capital bei Deloitte Österreich. Obwohl noch nicht viele zum Einsatz kommen, sieht sie die Apps als großen HR-Trend dieses Jahres an. "Wir erkennen, dass viele momentan vom Drüber-Nachdenken ins Umsetzen kommen." Ganz ersetzen sollen Apps klassische Prozesse, wie etwa das Mitarbeitergespräch, aber nicht. Nowshad: "Man sollte diese technischen Fortschritte als Ergänzung sehen."

Data Analytics: (Noch) Kein Trend in Österreich

Ein riesiger technologischer Fortschritt hat keinen Eingang in die fünf Trends für den österreichischen Markt gefunden: Data Analytics. Während das Scannen von Mitarbeiterprofilen durch Algorithmen in den USA schon angewendet wird, sei es hierzulande noch zu früh, sagt Nowshad. "Die Ausgangssituation ist hier eine völlig andere, die technologischen Voraussetzungen bestehen vielerorts noch nicht."

Abgesehen von Innovationen im technischen Bereich zählen laut dem Report auch Engagement, Retention und Kultur als Top-Priorität. Zu fragen, für welche Werte man stehen will und wie man diese gestaltet, könne in Unternehmen nicht mehr ignoriert werden, sagt Nowshad dazu. Schließlich wisse man aus den zahlreichen Untersuchungen zur Generation-Y und den Millennials, dass Werte großteils mehr zählen als Zahlen. Diese seien eben nicht mehr die einzigen Größen, die nach außen dringen.

Wie man Führungskräfte ausbildet

Und auch hier heißt es: Tools und Analysemethoden seien "eine wichtige Unterstützung, um Feedback von Mitarbeitern einzuholen und eine gezielte Veränderung an Kulturelementen und Führung zu ermöglichen".

Nicht ganz neu sei, dass Führungskräfteausbildung durch die Verknüpfung mit Karrieremanagement und "Talent Mobility" einen neuen Fokus bekomme – "aber es gerät jetzt wieder in den Vordergrund", sagt Nowshad. Was bedeutet das konkret? Führungskräfteprogramme werden zunehmend als integrierte Prozesse im Unternehmen gedacht, Mentoring und Coaching würden dabei zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Diversity – diesmal wirklich?

Trend Nummer fünf wurde auch schon lange ausgerufen, aber nur selten verwirklicht: Diversity und Inklusion sollen zu einer strategischen Priorität werden bei der Suche nach neuen Talenten und das Business im Allgemeinen. Die Untersuchungen von Deloitte würden zeigen, so Nowshad, dass Organisationen, die Diversityziele in die Unternehmensziele aufnehmen und entsprechend verfolgen, auch mit höherer Wahrscheinlichkeit positive Geschäftsergebnisse erzielen. Man versucht es also mit betriebswirtschaftlichen Argumenten. Ist Nowshad optimistisch? "Es ist nun wirklich an der Zeit, und wir bemerken auch vermehrt Verständnis und Einsicht."

Für sie geht es beim Thema Diversity und Inklusion aber nicht nur um Herkunft und Geschlecht. Vielseitigkeit sei auch im Sinne von verschiedenen Arbeitsformen im Kommen.

Wenn HR Chefsache ist

Dass es oft an der Umsetzung hapert, sieht auch David Mallon, der den weltweiten "Predicitons"-Report verfasste. Das liege oft an falschen Prioritäten in der Führungsebene: "Erst wenn CEOs merken, da läuft etwas nicht rund, wenden sie sich an die Personalabteilung. Leider oft aus den falschen Gründen, etwa um Aufgaben in andere Departments zu verlegen."

Für Mallon liegt der Schlüssel für Erfolg und Zufriedenheit in Unternehmen in der Art und Weise, wie man mit Personal umgeht. Die HR müssten also endlich zur Chefsache werden, so die Schlussfolgerung. Dann bliebe es bei den Predictions auch nicht bei Hoffnungen, sondern Ansagen für die Zukunft von Unternehmen. (lhag, 2.2.2016)

  • Was neue Technologien verändern und warum sie wichtig sind, zeigt ein neuer Report.
    foto: istock

    Was neue Technologien verändern und warum sie wichtig sind, zeigt ein neuer Report.

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