Lee Ranaldo: Lärm am Lagerfeuer

1. Februar 2016, 14:53
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Starrer Blick, Holzfällerhemd und staubige Haare. Lee Ranaldo (einst bei Sonic Youth) spielt zwei Akustikkonzerte in Österreich

Wien – Als gelernter Punk geht er den umgekehrten Weg. Anstatt sich anhand beschaulicher Lagerfeuerklassiker in den elektrischen Lärm vorzuarbeiten, hat Lee Ranaldo gleich als Bilderstürmer begonnen. Damals, Ende der 1970er-Jahre, als er Mitglied von Glenn Brancas Gitarrenorchester war, das mit E-Gitarren Walls of Sound aufstellte, meine Herren.

Mittlerweile, grau wie Stermann, geht er auf Solo Acoustic Tour. Das ist gemütlich, da reist es sich einfach und billig. Am Dienstag gastiert Lee Ranaldo im Salzburger Rockhouse, eine Zugfahrt später, am Mittwoch, stöpselt er seine Holzgitarre im Wiener Schauspielhaus ein.

Berühmt wurde der 59-jährige New Yorker als Typ mit dem starren Blick bei Sonic Youth. Mit der New Yorker Formation schrieb Ranaldo gut 30 Jahre lang Musikgeschichte. In den Fächern Postpunk, Avantgarde, Lärmrock, Artrock, Narkose-Dröhn, Fadrock. Das volle Programm in 15 Studioalben.

Nachdem sich die Scheidung des Bandehepaars Kim Gordon und Thurston Moore naturgemäß ungünstig auf die Bandchemie ausgewirkt hat, wurde Sonic Youth zugesperrt, und zumindest Kim Gordon hat für sich den Schlüssel weggeworfen.

Das ist jetzt ein paar Jahre her, seitdem gurken die vier ehemaligen Sonic Youther mit neuen Projekten und/oder eben solo durch die Lande.

Ranaldo gelang mit Between The Times And The Tides das wahrscheinlich bisher überzeugendste Post-Sonic-Youth-Werk.

Veröffentlicht 2012, versammelt es die Stärken des hemdsärmeligen Gitarristen, dessen eher trockener Gesang sich vom Gequengel Thurston Moores immer positiv abgehoben hat, wobei Moores kränkliches Geraunze natürlich super war.

Solo durchstreift er als spätberufener Folkie das eigene Werk, dazwischen streut er ein paar ausgesuchte Coverversionen, etwa von Joni Mitchell oder Neil Youngs Revolution Blues.

Das passt. Wie Young ist Ranaldo ein alter Flanellhemdenträger. Es könnte gemütlich werden. (Karl Fluch, 1.2.2016)

  • Lee Ranaldo tourt solo durch Europa. Dienstag und Mittwoch gastiert er  in Salzburg und Wien. Es riecht nach Neil Young.
    foto: ink music

    Lee Ranaldo tourt solo durch Europa. Dienstag und Mittwoch gastiert er in Salzburg und Wien. Es riecht nach Neil Young.


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