Project Natick: Microsoft träumt von Unterwasser-Rechenzentren

1. Februar 2016, 11:26
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Erstes Experiment erfolgreich – Kapseln mit Rechnern könnten bis zu 20 Jahre im Einsatz sein

Nicht nur Google arbeitet an "Moonshots" wie der Internetversorgung aus der Luft über Ballons, auch Microsoft treibt Projekte voran, deren Perspektiven noch einige Jahre in der Zukunft liegen. Eines davon ist "Project Natick". Die Redmonder tüfteln an einer neuen Form des Rechenzentrums und wollen dafür die Cloud buchstäblich baden schicken.

Vom Whitepaper zum Experiment

Anfang 2013 nahm die Idee erstmals Gestalt an. Ein internes Whitepaper machte die Runde und erregte Aufmerksamkeit im höheren Management des Konzerns. Anderthalb Jahre später, August 2014, startet das Unterfangen offiziell mit einem Meeting.

Im August 2015 ist das erste Experimemt startklar. Es wurde eine zylindrische Kapsel mit Standfüßen entwickelt. Getauft wurde sie auf den Namen "Leona Philpot", einmal mehr eine Anspielung Microsofts auf die Videospielreihe "Halo".

Die Forscher versenkten die Konstruktion vor der Küste Kaliforniens in rund neun Metern Tiefe. Über vier Monate wurden Experimente und Messungen durchgeführt. Zur finalen Auswertung hat man den Behälter im Dezember wieder an Land geholt.

foto: microsoft

Recycling-Kapseln

Künftig könnten in solchen Kapseln Server werken, die mit erneuerbarer Energie gespeist werden. Durch Unterwasser-Standorte erhofft sich Microsoft bessere Latenzzeiten, zumal ein großer Teil der Menschheit in der Nähe des Meeres lebt. Dazu soll es nicht notwendig sein, für die Kühlung der Rechner Wasser zu verbrauchen, was in konventionellen Datenzentren sehr wohl notwendig ist.

Die Kapseln sollen außerdem aus Recycling-Material bestehen, das seinerseits nach Ende der Lebensdauer wieder verwertet werden kann. Bis zu 20 Jahre, so die Vision von Microsoft, könnte ein Behälter genutzt werden. Mit Umweltproblemen rechnet man nicht, die lokale Tierwelt habe sich schon beim "Leona Philpot"-Experiment schnell an die Konstruktion gewöhnt.

Frühphase

Die Redmonder rechnen damit, dass das Moore‘sche Gesetz, das davon ausgeht, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise in regelmäßigen Abständen verdoppelt und entsprechende Vorteile in Sachen Leistung und Energieeffizienz bringt, bald nicht mehr greift.

foto: microsoft

Daher sei es ausreichend, die Kapsel nur alle fünf Jahre zu heben, um die Technik-Ausstattung zu erneuern. Dazwischen, so die Vision, soll ein solches submarines Rechenzentrum völlig eigenständig laufen.

Ob es zu einer Umsetzung von Natick im Echtbetrieb kommen wird, ist noch unklar. Das Vorhaben befindet sich noch in einer frühen Forschungsphase. Als nächsten Schritt plant Microsoft laut Venturebeat die Versenkung von größeren Serverkapseln. (gpi, 01.02.2016)

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