Technisches Doping: Motor bei Querfeldein-WM

31. Jänner 2016, 12:22
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Femke van den Driessche dürfte mit Mini-Antrieben betrogen haben

Heusden-Zolder – Die Querfeldein-Weltmeisterschaften im belgischen Zolder sind von einem dreisten Betrugsversuch überschattet worden. Das Rad der Belgierin Femke van den Driessche (19) wurde nach dem U23-Rennen am Samstag wegen eines verbotenen Hilfsmotors beschlagnahmt. Das bestätigte der Weltverband UCI, dem damit in seinem seit dem Vorjahr ausgeweiteten Kampf gegen das "Technik-Doping" ein wichtiger Erfolg gelang.

Van den Driessche reagierte geschockt und glaubt an ein großes Missgeschick. Anders sah dies UCI-Präsident Brian Cookson. "Es ist absolut eindeutig, dass ein technischer Betrug vorliegt", erklärte Cookson auf einer Pressekonferenz am Sonntag und stufte dies als "inakzeptabel" ein. "Die Minderheit, die das in Erwägung zieht", ergänzte der Brite, "wollen wir Folgendes wissen lassen: Früher oder später werden sie für den angerichteten Schaden an unserem Sport bezahlen."

Van den Driessche, die als Mitfavoritin an den Start gegangen war, hatte das U23-Rennen aufgrund eines Defekts aufgeben müssen. Der belgische Nationaltrainer Rudy de Bie zeigte sich "angewidert" von dem Vorfall: "Wir dachten, Femke sei ein großartiges Talent. Aber es sieht so aus, als hätte sie uns alle reingelegt." Der Athletin drohen eine sechsmonatige Sperre und eine Geldstrafe von bis zu 200.000 Schweizer Franken oder umgerechnet rund 180.000 Euro.

"Großer Irrtum"

Der Teenager wies die Anschuldigungen in einem Interview mit dem belgischen TV-Sender Sporza jedoch zurück. Das Fahrrad sei das eines Freundes und Trainingspartners gewesen, das sie diesem in der Vorsaison verkauft hätte. Der Freund habe gemeinsam mit ihrem Bruder den Parcours besichtigt und danach das Rad in einem Lkw abgestellt. Einer der Mechaniker habe das Rad für ihres gehalten, so Van den Driessche. "Es war alles ein großer Irrtum, ich bin sehr geschockt." Das Rad, dass sie im Rennen benutzt habe, sei okay gewesen, meinte die Belgierin. Sie fürchte das Ende ihrer Karriere, hoffe aber auf eine zweite Chance.

Bisher bei Tests nicht fündig

Der Kampf gegen Technik-Doping steht bei der UCI bereits länger auf der Agenda. Im Vorjahr waren bei Straßenrennen wie der Tour de France oder dem Giro d'Italia unangekündigte Tests durchgeführt worden, ein auffälliges Ergebnis gab es bislang jedoch nicht.

Man teste seit längerem neue Nachweismethoden für die in den Rahmen zu versteckenden Mini-Antriebe. Welche das sind, wollte UCI-Chef Cookson natürlich nicht preisgeben. Stichprobenartige Kontrollen bei großen Straßenrennen hatte es schon im Vorjahr gegeben.

Starke Leistung von Heigl

Während die unter Verdacht stehende Belgierin das erstmals ausgetragene U23-WM-Rennen wie gesagt nicht beendete, überzeugte die Wienerin Nadja Heigl mit Platz fünf. Die 20-jährige Staatsmeisterin schaffte das erste Top-Ten-Ergebnis für Österreich in der WM-Geschichte.

ucichannel

Beim Rennen der Herren gelang dem Belgier Wout Van Aert am Sonntag der erhoffte Heimsieg. Silber ging an den Niederländer Lars Van Der Haar, Dritter wurde Van Aerts Landsmann Kevin Pauwels.

Das Finish verlief äußerst spannend. Erst in der letzten Runde konnte sich Van Aert auf einer steilen Laufstrecke von seinem niederländischen Kontrahenten absetzen. Am letzten Wochenende hatte der Belgier sich bereits den Gesamtsieg im Weltcup gesichert.

Zu den Rennen am Samstag und Sonntag waren im radsport-verrückten Flandern trotz Schlechtwetters bis zu 70.000 Zuschauer an die Strecke gekommen. (sid/red, 31.1.2016)

  • Das ist erlaubt: Femke Van Den Driessche schiebt ihr offenbar gepimptes Rad einen Hügel auf der WM-Strecke hinan.
    foto: apa/afp/belga

    Das ist erlaubt: Femke Van Den Driessche schiebt ihr offenbar gepimptes Rad einen Hügel auf der WM-Strecke hinan.

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