Norweger Kilde überrascht in Garmisch

30. Jänner 2016, 13:15
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Der 23-Jährige schiebt sich mit später Startnummer noch ganz nach oben. Bostjan Kline und Beat Feuz auf den Plätzen. Österreicher zurück, Reichelt out

Garmisch-Partenkirchen – Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud hatten ihn längst auf der Rechnung, in Garmisch-Partenkirchen sprang Jung-Elch Aleksander Aamodt Kilde für die Teamkollegen in die Bresche: der 23-jährige Norweger holte sich den Abfahrtssieg mit 0,22 Sek. Vorsprung auf Bostjan Kline (SLO) und 0,24 auf Beat Feuz (SUI). Bester Österreicher wurde Patrick Schweiger als 14., Romed Baumann kam auf 16.

Nach vielen verletzungsbedingten Ausfällen war klar, dass die ÖSV-Herren den Dreifachsieg im WM-Ort von 2011 aus dem Vorjahr nicht wiederholen werden können, Hannes Reichelt zählte nach der Trainingsbestzeit (mit Torfehler) aber zu den Mitfavoriten. Der Salzburger ging nach seinem schweren Sturz in der Kitzbühel-Abfahrt ohne Schmerzmittel und schmerzfrei ins Rennen und hatte bei der dritten Zwischenzeit nur 14/100 Sekunden Rückstand auf den vor der Topgruppe führenden Kline, ehe nach Torfehler das Aus kam.

Ärger

"Ich ärgere mich über meine Dummheit, dass ich zu gerade reingefahren bin, obwohl ich wusste, dass man runder fahren soll. Aber ich habe gedacht, ich bin langsam, ich habe mich oben nicht gut gefühlt, und deshalb riskiert. Wenn ich jetzt die Zwischenzeiten sehe, dass ich das gar nicht gemusst hätte, ärgere ich mich noch mehr. Da hat Kitzbühel wohl mein Gefühl etwas durcheinandergebracht, schade", sagte Reichelt über die Passage im Eishang, die aber mehreren Problemen bereitete.

Nach der grenzwertigen Abfahrt auf der Kitzbüheler Streif, die Svindal sowie den österreichischen Speedpiloten Max Franz, Georg Streitberger und Florian Scheiber das vorzeitige Saisonende eingebrockt hatte, wurde viel über Pistenpräparierung und Sicherheit der Läufer diskutiert. Unmittelbar umgesetzt für Garmisch wurde die Zumischung einer purpurfarbenen fluoreszierenden Farbe bei der Markierung, die jedoch nicht wirklich sichtbar war.

Schwierige Sicht

Die Bodensicht war abermals schwierig, der Hang liegt im Schatten, da half auch das schönste Winterwetter nicht viel. Gefahren wurde verändert zum einzigen Training am Donnerstag auf gefrorenem Frühlingsschnee. Es war speziell im unteren Teil eine ruppige Angelegenheit. Bei den hohen Nummern kam dann Sonne in die Piste, was der Italiener Matteo Marsaglia mit Nummer 52 zu Platz sechs nützte.

Kilde sorgte für den 16. Saisonsieg der norwegischen Skiherren nach sieben Erfolgen von Svindal, sechs von Henrik Kristoffersen und zwei von Jansrud. Er war in diesem Winter als Dritter im Super-G von Gröden hinter Svindal und Jansrud bereits einmal in seiner Karriere auf dem Podest gewesen. "Nach oft schon guten Teilzeiten und auch etwas Pech ist es mir diesmal gelungen. Ich bin voll ans Limit gegangen, habe keinen Fehler gemacht. Es ist unglaublich", meinte Kilde, der mit Startnummer 30 gefahren war.

Bis dahin hatte Kline geführt und auf seinen Premierenerfolg gehofft, er hatte als bestes Ergebnis einen 13. Platz von der Abfahrt im Dezember 2014 in Santa Caterina zu Buche stehen. "Ich habe nicht gedacht, dass für mich so viel möglich ist. Ich bin sehr zufrieden und hatte mit meiner Startnummer sicher auch noch bessere Sicht", sagte der Mann aus Maribor. Im Abfahrtsweltcup liegt der Südtiroler Peter Fill noch 121 Zähler hinter Svindal, der Kitz-Sieger wurde in Garmisch Elfter.

Abgeschlagen

Die ersatzgeschwächten Österreicher waren von Spitzenplätzen weit weg, Schweiger hatte als 14. aber nur 0,85 Sekunden Rückstand, Baumann als 16. 0,91. "Ich habe unten eine Kurve komplett verpasst, das war ein Riesenfehler. Es wäre ein super Ergebnis geworden", sagte der Tiroler Baumann, der vergangenes Jahr hinter Reichelt Zweiter geworden war.

Zum übrigens dritten Mal in dieser Saison war direkt vor Baumann ein Läufer gestürzt, diesmal Johan Clarey, der nach ersten Erkenntnissen unverletzt blieb. "Nach dem, was in dieser Saison schon alles passiert ist, ist das alles schon belastend", sagte Baumann. "Die Piste war noch total okay, aber es war schwierig, weil es unruhig war. Ich habe gewusst, dass ein bisserl was möglich ist, weil viele keinen optimalen Lauf gehabt haben", erklärte Schweiger.

Glück hatte Otmar Striedinger (28.), der mit der Schulter ein Tor abgeräumt und sich einen Muskelfaserriss im Bizeps zugezogen hat. Er wird die Reise zu den nächsten Speedrennen nach Südkorea aber antreten. Vincent Kriechmayr (41.) laboriert an den Nachwirkungen eines Hexenschusses. (APA, 30.1.2016)

  • Wieder ein Norweger.
    foto: apa/afp/saeed khan

    Wieder ein Norweger.

  • Trainerturm.
    foto: apa/afp/stache

    Trainerturm.

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