ORF-Personal ohne Chef – General am Werk

31. Jänner 2016, 08:15
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Spekulationen um Regelung nach Abschied Scoliks – Bereichsmanager sollen direkt an Wrabetz berichten, Büroleiter "koordiniert"

Wien – Noch ist die – kolportiert, aber dementiert – millionenschwere Handshake-Regelung für den Administrations- und Planungschef des ORF offenbar nicht unterschrieben (Stand: Freitag), der nicht nur im ORF für einige Aufregung sorgt. Reinhard Scolik (57) verlässt den ORF mit im Herbst fixiertem neuem Job – Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks ab März 2016. Seine Nachfolge im ORF wiederum regt die Küniglberger an – zu qualifizierten Spekulationen.

Michael Wimmer, Büroleiter von ORF-General Alexander Wrabetz solle bisher von Scolik gemanagte Agenden koordinieren – von Personal und Organisation über Marktforschung, auch Sicherheit falle etwa in diese Koordinationsfunktion.

Ersatzmann für Pelinka

Wimmer wurde 2012 Büroleiter des ORF-Chefs. Wenige Monate, nachdem Niko Pelinka, zuvor roter Fraktionschef im Stiftungsrat bei Wrabetz' Wiederwahl, seine Bewerbung als Bürochef wegen massiver Proteste der ORF-Journalisten zurückgezogen hatte. Wimmer kam wie Pelinka aus der Kommunikationsabteilung der ÖBB unter dem Sozialdemokraten Christian Kern. Die "Handlungsvollmacht", eine Art kleine Prokura, hat Wimmer seit vorigem Jahr.

General-Sekretär und Generalsekretär

In einer solchen Koordination sehen bürgerliche Kräfte im ORF schon eine Vorstufe zur Wiedereinführung eines Generalsekretärs. In der ORF-Geschichte war das (meist) ein Schlüssel-Verbindungsjob zwischen ORF und Politik: Kurt Bergmann etwa war Gerd Bachers Generalsekretär des ORF von 1990 bis 1994. Gerhard Zeiler in den vier Jahren davor Generalsekretär von General Thaddäus Podgorski – Zeiler wurde nach Bachers letzter Amtszeit 1994 selbst ORF-Generalintendant – mit Generalsekretär (und Radiodirektor) Gerhard Weis. Als der 1998 ORF-Chef wurde, verzichtete er (wie alle seine Nachfolger bisher) auf diese Funktion, quasi im Do-it-yourself-Verfahren.

ORF-interne Sprachregelung nach STANDARD-Infos derzeit: Wimmer und der Stab des ohnehin für diese Funktionen zuständigen ORF-Generals sollen tatsächlich die Bereichschefs koordinieren. Sie berichten dann direkt Alexander Wrabetz. Jedenfalls bis zur Generalswahl im August 2016.

Kandidaten-Raten

Als potenzielle Nachfolger Scoliks insbesondere in Personalfragen werden im ORF etwa auch Josef Lusser (einst Bürochef von Weis und heute Leiter des ORF-Gremienbüros) gehandelt; ebenso Radio-Adminstrationschefin Ulrike Wüstenhagen.

Pfand-Leihe

Strukturell wird im ORF spekuliert: Einigen sich SPÖ und ÖVP sowie Wrabetz und Richard Grasl bis zur Generalswahl am 9. August 2016 auf weitere fünf Jahre als General und als Finanzdirektor des ORF, könnten Agenden Scoliks auch als weiteres Entgegenkommen zugunsten von ÖVP beziehungsweise Grasl vom General zum Finanzdirektor wandern.

Kein Personalchef, kein Nachfolger

ORF-Sprecher Martin Biedermann bestätigt, dass die Bereichsleiter künftig direkt dem ORF-General berichten werden – an den Aufgaben des Büros ändere sich nichts, ergänzt Biedermann. Und er betont, es werde deshalb kein Personalchef gesucht. Die Neuorganisation bedeute eine "Strukturstraffung und dadurch massive Einsparung". (fid, 31.1.2016, ergänzt und aktualisiert)

  • Michael Wimmer, Büroleiter von ORF-General Alexander Wrabetz soll bisher von Scolik gemanagte Agenden koordinieren –  von Personal und Organisation über Marktforschung, auch Sicherheit falle etwa in diese Koordinationsfunktion. Die Bereichsleiter sollen direkt an Wrabetz berichten.
    foto: orf / sabine hauswirth

    Michael Wimmer, Büroleiter von ORF-General Alexander Wrabetz soll bisher von Scolik gemanagte Agenden koordinieren – von Personal und Organisation über Marktforschung, auch Sicherheit falle etwa in diese Koordinationsfunktion. Die Bereichsleiter sollen direkt an Wrabetz berichten.

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