Tausend Gäste am Wiener Akademikerball, 8.000 demonstrierten dagegen

Video29. Jänner 2016, 23:50
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2.800 Polizisten hielten in der Wiener Innenstadt die Gäste des FPÖ-Balls in der Hofburg und bis zu 8.000 Demonstranten voneinander fern

Wien – Der schwarze Block war heuer teilweise weiß, zumindest nach außen hin. Mit weißen Transparenten grenzte sich Freitagabend der harte Kern der vermummten Gegner des FPÖ-Balls in der Hofburg vom Rest der Demonstranten ab. Aus dem freilich dunklen Inneren wurden Raketen abgefeuert, in die Nacht über Wien. Die Polizei zählte 5.000 Teilnehmer, die Organisatoren berichteten von insgesamt 8.000 Kundgebungsteilnehmern.

derstandard.at/luger

Der erste Demozug war bereits am späten Nachmittag vom Wallensteinplatz im 20. Bezirk zu einem längeren Marsch in die Innenstadt aufgebrochen. In der City schlossen zu dieser Zeit bereits aus Sicherheitsgründen vor dem eigentlichen Ladenschluss die ersten Geschäfte. Vor zwei Jahren waren beim Protest gegen den Akademikerball einige Schaufenster zu Bruch gegangen, Randalierer hatten sogar die Fassade einer Polizeiinspektion demoliert.

Neun Festnahmen

Die linke Gruppierung "No WKR", in deren Umfeld es bei Kundgebungen in den Vorjahren immer wieder zu Ausschreitung gekommen ist, hat sich nach dem Ball 2015 für aufgelöst erklärt. Insgesamt verliefen die Demonstrationen "ohne nennenswerte Zwischenfälle", wie die Wiener Polizei in einer ersten Bilanz bekanntgab. Insgesamt wurden neun Personen vorläufig festgenommen. Sechs Festnahmen davon erfolgten nach der Strafprozessordnung – etwa wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt oder aufgrund schwerer Sachbeschädigung; drei nach Verwaltungsübertretungen beispielsweise wegen Lärmerregung oder aggressiven Verhaltens gegen Beamte. Alle Festgenommenen wurden nach der Einvernahme auf freiem Fuß angezeigt. Bei den Protesten wurden 14 Polizisten leicht verletzt, hieß es weiters. Auch sei es zu zwei Sachbeschädigungen gekommen.

In der Wipplingerstraße im 1. Bezirk wurden Feuerwerke gezündet, Polizisten wurden mit Eiern und Bierdosen beworfen. Zeitweise kam es laut Polizei zu Sitzblockaden. Eine Person wurde "wegen aggressiven Verhaltens" am Museumsplatz festgenommen.

foto: apa/oczeret
Am späten Abend kam es zu einem Kessel bei der Herrengasse.

Am späten Abend kam es zu einem Kessel bei der Herrengasse, dabei gab es zwei Festnahmen und Identitätsfeststellungen, berichtete die Polizei auf Twitter. Rund 100 Personen wurden etwa eine Stunde festgehalten. Laut Exekutive wurden zuvor in der Nähe Polizisten von zwei Personen attackiert. Die Verdächtigen flohen dann zu einer angemeldeten Kundgebung des Verbandes Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) in der Herrengasse.

Linke oder rechte Aktivisten

Zwei Personen wurden wegen des Verdachts des Widerstands gegen die Staatsgewalt und der Körperverletzung angezeigt. Unklar ist laut Polizeisprecher Johann Golob, ob es sich bei den Festgenommenen um linke oder rechte Aktivisten handelt.

foto: standard/newald
Die Polizei ging von 1.000 Ballgästen aus.

Seit 2013 wird der Ball offiziell nicht mehr von dem von deutsch-nationalen Burschenschaften getragenen Wiener Korporationsring (WKR-Ball) organisiert, sondern von der Wiener FPÖ. Auf der Ballveranstaltung wurden heuer laut Polizei etwa 1.000 Gäste erwartet. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erschien früher als erwartet, für Ball-Dinnergäste war die Hofburg schon ab 17 Uhr zugänglich, die Eröffnung war für 21 Uhr angesetzt. Auch FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer war unter den Gästen.

Pegida zu Gast

Die Dresdner Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling sagte im Gespräch mit dem STANDARD, dass sie "zum Vernetzen" in die Hofburg gekommen sei. Bei seiner Rede am Ball sagte Strache dann, dass der volle Festsaal beweise, dass die "Gegner des Balls" verloren hätten: "Sie sind undemokratisch, wollen es Andersdenkenden nicht zugestehen, einen ganz normalen Ball feiern zu dürfen."

apa/fpö/robert lizar
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer am Akademikerball.

Rund um die Hofburg hatte die Polizei, die mit insgesamt 2800 Beamten und 28 Kamerateams im Einsatz war, auch heuer wieder eine Sperrzone verhängt. Zur genehmigten Protestkundgebung "Jetzt Zeichen setzen" auf dem Heldenplatz kamen rund 500 Teilnehmer. (moe, simo, koli, mvu, ook, sefe, 30.1.2016)

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