Paris: Touristenflaute nach den Anschlägen

30. Jänner 2016, 17:00
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Die Auslastung der Hotels in Paris liegt deutlich unter den Vorjahreswerten

Paris – "Gute Nachrichten für Reisende", wirbt der Anbieter. "Billige Flugtickets nach Paris – ob Sie auf dem Eiffelturm stehen oder an der Seine flanieren wollen." Andere Schnäppchen gibt es für schnelle Buchungen bis Ende Februar. Nur der Grund dafür wird nicht genannt: Günstiger geworden ist das Reisen nach Paris wegen der furchtbaren Terroranschläge.

In den Tagen nach der Terrorattacke war es zu zahlreichen Stornierungen gekommen. Russen annullierten ihre Paris-Visiten zum Beispiel zu 37 Prozent, Japaner zu 30 Prozent; dahinter folgten US-Amerikaner und Chinesen. Mehr als zwei Monate später "wagen" sich Honeymooners und Kulturtouristen nur langsam wieder in die französische Metropole. Noch immer liegen die Ankünfte deutlich unter den Vergleichswerten früherer Jahre.

In der ersten Jännerhälfte lag die Auslastung der Pariser Hotels um 7,8 Prozent hinter dem Vorjahreswert, hat das Beraterbüro MKG Hospitality bekanntgegeben. Bis zum Jahresende waren es sogar 16 Prozent gewesen. Von den wenigen Luxushotels, die Angaben machen, rechnet das Bristol im ersten Quartal dieses Jahres mit einem Rückgang um 20 bis 25 Prozent, das Plaza Athénée mit einem um 30 Prozent. MKG schätzt weiter, dass die Pariser Hotels von November bis März insgesamt 146 Millionen an Umsatz einbüßen dürften.

Gästemangel im Bistro

Laut der Firma ForwardKeys, die täglich die Flugreservationen um den Planeten errechnet, liegen die Flugbuchungen nach Paris für das erste Quartal noch um 17 Prozent hinter dem Vorjahr zurück. Dieser Einbruch belastet den gesamten französischen Fremdenverkehr, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

Unter dem Rückgang leiden natürlich nicht nur Airlines und Hotels, sondern auch die Sehenswürdigkeiten. Der Eiffelturm, der nach den Anschlägen zwei Tage geschlossen hatte, verlor auch danach Zehntausende von Besuchern. Auch die Pariser Bistros und Feinschmeckerlokale bekommen den Gästeschwund zu spüren. Die Brasserie Au pied de Cochon, die auch deshalb berühmt ist, weil sie rund um die Uhr offenhielt, sieht sich erstmals gezwungen, vier Nächte pro Woche zu schließen. Während die Franzosen kaum ausblieben, brach die ausländische Kundschaft nach den Attentaten um 40 Prozent ein, wie Betreiber Pascal Brun feststellte. Ab Frühling, so hofft er, soll der "Schweinefuß" wieder durchgehend offen sein.

Die Tourismusökonomin Sylvie Brunel meint mit Verweis auf Anschlagsserien in Madrid und London, die Besucher kehrten jeweils nach rund vier Monaten wieder im früheren Umfang in die Fremdenverkehrsmetropolen zurück.

Eine der sichersten Städte

Gemäß der Statistik von The Economist bleibt Paris eine der 25 sichersten Hauptstädte der Welt. "Die jüngste Terrorattacke ändert daran nichts", versichert der Online-Reiseanbieter Oyster. Nachdem US-Präsident Barack Obama vorgerechnet hatte, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag umzukommen, tausendmal geringer ist, als einem Verkehrsunfall zum Opfer zu fallen (und 12.000-mal geringer, als an Krebs zu sterben), schrieb eine frankophile Neuseeländerin in ihrem Blog: "Fahren Sie vorsichtig und hören Sie auf zu rauchen – aber verschieben Sie nicht Ihre Paris-Reise!"

Solche Argumente scheinen aber im Fall von Paris nicht zu überzeugen. Schon mehrfach gab es Versuche von Nachahmungstaten durch Amateurattentäter; der letzte wurde womöglich diese Woche in Disneyland Paris verhaftet. Zudem bleibt das Antiterrordispositiv in ganz Frankreich intakt, genauso wie der nationale Ausnahmezustand. "Das macht den Leuten Angst", bekennt Evelyne Maes, die Vorsteherin des Pariser Hotelier- und Wirteverbandes UMIH.

Fast 50 Großfirmen der französischen Tourismusbranche haben deshalb den Hashtag #ParisWeLoveYou geschaffen, das Außenstehenden das ganz normale Leben in der Seine-Stadt schildert. Spätestens im Juni hofft der Sektor, die Krise ganz überwunden zu haben. Dann beginnt in Frankreich und auch Paris die Fußball-Europameisterschaft. (Stefan Brändle aus Paris, 30.1.2016)

  • Zu sehen gäbe es ja genug in der französischen Hauptstadt: Place de la Concorde, Obelisk und Eiffelturm.

    Zu sehen gäbe es ja genug in der französischen Hauptstadt: Place de la Concorde, Obelisk und Eiffelturm.

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