Vielfachmillionäre und Vielfachkandidaten für die Hofburg

29. Jänner 2016, 17:43
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Neben den vier Kandidaten, die für die Bundespräsidentschaftswahl von Parteien unterstützt werden, und Ex-OGH-Präsidentin Irmgard Griss, will auch noch eine Reihe weiterer Kandidaten auf den Stimmzettel. Ein vorläufiger Überblick

Wien – "Ich bin die El Awadalla, ich möchte Bundespräsidentin werden", so beginnt die ehemalige Millionenshow-Gewinnerin am Freitag ihre Pressekonferenz, bei der sie ihr Antreten bei der Bundespräsidentschaftswahl offiziell bekanntgibt. Für ein bedingungsloses Grundeinkommen, Frieden und Neutralität, Kleinkunst möchte sich die Ex-Präsidentin – nämlich der Österreichischen Dialektautorinnen – einsetzen. Dem gesellschaftlichen Rechtsruck will sie "Solidarität auf allen Ebenen" entgegensetzen.

Neben der Auftaktpressekonferenz ging am Freitag auch ein Video online. Elfriede "El" Awadalla bittet darin nicht nur um Stimmen, sondern auch um Unterstützungserklärungen. 6000 davon braucht man, um tatsächlich bei der Bundespräsidentschaftswahl antreten zu dürfen. Finanzieren wird Awadalla den Wahlkampf über ein Spendenkonto. "Von der sagenumwobenen Million ist nicht mehr viel übrig", sagt sie.

Bauherrenoffensive

Solche Geldsorgen hat ein anderer möglicher Kandidat nicht. Richard Lugners Privatvermögen wurde 2014 vom Wirtschaftsmagazin Format auf 145 Millionen Euro geschätzt. Der 83-jährige Lugner wäre damit nicht nur der älteste Kandidat, der bei der Wahl antritt, er wäre auch der reichste. Wenn er denn antritt. Denn zunächst will der Baumeister eine Umfrage in Auftrag geben und überprüfen, wie seine Chancen stünden. Für "ein paar Prozent" kandidieren will Lugner jedenfalls nicht, sagte er zum STANDARD. Bereits am Dienstag ging Lugners Video online. In dem zwölf Minuten langen Kurzfilm spricht zunächst Lugners Ehefrau und "First Lady" Cathy Lugner. Erst nach knapp vier Minuten betritt Lugner selbst die Bühne. Mit seinem letzten Satz spricht er dann die Kernbotschaft aus: "Lugner for President!" Bereits 1998 war der Bauherr bei der Bundespräsidentenwahl angetreten und hatte damals fast zehn Prozent erreichert.

Oft übt sich

Auch für Martin Wabl ist es nicht der erste Versuch, Bundespräsident zu werden. Der pensionierte Richter versucht es seit 1998 bei jeder Hofburgwahl. Von 1981 bis 1994 saß er für die SPÖ insgesamt acht Jahre im steirischen Landtag. Bei der Nationalratswahl 2013 kandidierte er allerdings für die Christliche Partei Österreichs. Seine Bemühungen, Bundespräsident zu werden, scheiterten bis jetzt immer an den nötigen Unterschriften. "Diesmal bin ich optimistisch, dass meine Vorstellungen bei der Bevölkerung den entsprechenden Zuspruch finden", sagt Wabl in seinem Video. Untertags ist er, wie auf seiner Homepage zu lesen ist, von 9.30 bis 11.00 Uhr im Fürstenfelder Gasthof zur Post erreichbar.

Antreten zum Austreten

Fünf Sekunden vor zwölf ist es hingegen für Robert Marschall. Wie der Obmann der EU-Austrittspartei in seinem Youtube-Video vorrechnet, steuert Österreich auf gleich mehrere Katastrophen zu. Staatsschulden, Arbeitslosigkeit, "Flüchtlingsinvasion" – all das seien Anzeichen des "politischen Irrsinns". Bei der Nationalratswahl 2013 gelang es der Partei zwar anzutreten, aber nur in Vorarlberg. In allen anderen Bundesländern konnten sie nicht genug Unterschriften sammeln.

Weiters wirft auch der Journalist und Künstler Adrien Luxemburg mit einem Video einer Neujahrsansprache seinen Hut in den Ring. Ganz ohne Video antreten wollen, wie das Onlineportal neuwal.at berichtet, der Menschenrechtsaktivist Gustav Jobstmann, "arbeits- und parteilose" Gernot Pointner, der Generalsekretär der "Interessensgemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich" Georg Zakrajsek und der Wiener Arzt Thomas Unden, der sich zuletzt weigerte, Asylwerber zu behandeln. Auch die Energetikerin Karin Kolland sowie Thomas Reitmayer von der – ursprünglichen deutschen – Ironiepartei "Die Partei" wollen antreten. (Moritz Ablinger, 30.1.2016)

  • Die berühmteste Tapetentür der Nation ist in der Hofburg: Das Interesse am höchsten Amt im Staate ist recht groß. Eine Reihe Einzelkämpfer möchte demnächst dort einziehen.
    foto: matthias cremer

    Die berühmteste Tapetentür der Nation ist in der Hofburg: Das Interesse am höchsten Amt im Staate ist recht groß. Eine Reihe Einzelkämpfer möchte demnächst dort einziehen.

  • Dialektautorin El Awadalla hofft auf den Publikumsjoker.
    apa / hans klaus techt

    Dialektautorin El Awadalla hofft auf den Publikumsjoker.

  • Robert Marschall will aus der EU aus- und in die Hofburg eintreten (im Bild beim STANDARD-Chat vor der EU-Wahl 2014).
    matthias cremer

    Robert Marschall will aus der EU aus- und in die Hofburg eintreten (im Bild beim STANDARD-Chat vor der EU-Wahl 2014).

  • Ex-Richter Martin Wabl probiert es bereits zum vierten Mal.
    foto: apa / roland schlager

    Ex-Richter Martin Wabl probiert es bereits zum vierten Mal.

  • Richard Lugner wirbt per Video im Doppelpack mit Frau Cathy.
    apa / herbert neubauer

    Richard Lugner wirbt per Video im Doppelpack mit Frau Cathy.

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