"Auguste Bolte": Im Laufschritt zur Professur

29. Jänner 2016, 16:50
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Die Dada-Adaption des Theaters Wagabunt im Tik in Dornbirn

"Diese Person hat am Standesamt promoviert!" Mit diesem ein bisschen überwuzelten Schmähwort bedenkt der Volksmund jene, die sich einen Titel "erheiraten" statt zu studieren – dem Klischee nach vor allem Arztgattinnen. Auguste Bolte, die Hauptfigur eines gleichnamigen Texts von Kurt Schwitters aus dem Jahr 1922, tangiert das nicht. Zwar gibt es dort Zwischenrufe: "Unsinn Aujuste, heiraten musste". Besagte Auguste jedoch plant ihre akademische Laufbahn selbst: Ihren "Dr. Leb" möchte sie mit der gleichzeitigen Verfolgung zweier in entgegengesetzte Richtungen sich bewegender und sich dabei zerstreuender Zehnerreihen erreichen.

Das Theater Wagabunt (Regie: Stephan Kasimir) nutzt das Tik als Offspace vom Feinsten für seine Dada-Adaption. Caro Stark liefert eine Art Merzbau ab, mit einer trashigen Schleuse hin zum Spielzimmerchen. "Brain Wash" steht auf in Kopfhöhe montierten blauen Autowaschanlagenbürsten.

Schwitters' "entartete" Prosa präsentiert man – bis auf minimale Adaptionen – werkgetreu. Anwar Kashlan (mitreißend, sich lustvoll verausgabend und gelegentlich gelenkt vom Regisseur) muss das Pensum des Duracell-Hasen erfüllen. Gekleidet wie ein solcher ist Robert Kahr, der nebst Wolfgang Pevestorf den Rasenden flankiert. Pevestorf im champagnerfarbenen Tutu folgt versonnen-entrückt Kashlans Parforceritt, er seufzt "Wie im Kino!" und bellt. Kahr gibt den kritisch-grüblerischen Zuhörer, dessen Utensilien Minimegafon und Mikrofon sind, Letzteres bei einem Solo als Old-School-Conférencier, dessen Parlando "Richard Eckemecker" gilt.

Mag. trag. Dr. com. Stephan Kasimir und Dr.in kongen. Caro Stark, bitte zur kumulativen Habilitation im Fach kühne Bühne! (pen, 29.1.2016)

Tik, Dornbirn. Bis 13. 2.

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Theater Wagabunt

  • Akademischer Dadaismus: Das Theater Wagabunt zeigt Schwitters' "Auguste Bolte".
    foto: tik dornbirn / theater wagabunt

    Akademischer Dadaismus: Das Theater Wagabunt zeigt Schwitters' "Auguste Bolte".

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