Spar und Rewe punkten bei Zielpunkt-Filialen

29. Jänner 2016, 20:04
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Für 88 Standorte der pleitegegangenen Supermarktkette Zielpunkt scheint die Zukunft gesichert. Weitere 39 Filialen wurden geschlossen. Spar und Rewe bauen ihre Vormachtstellung aus

Wien – Zehn Handelsunternehmen haben nun nach vorläufiger Prüfung der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) den Zuschlag für die Übernahme von Zielpunkt- Filialen bekommen. Der Großteil der Standorte geht an Firmen aus dem Lebensmittelhandel.

Allein den drei Großen (Rewe, Spar, Hofer) winkt der Zuschlag für 57 der 88 verkaufsfähigen Standorte. 26 davon entfallen auf Spar, 20 auf Rewe, elf auf Hofer. In sieben Filialen dürfte künftig die Bio-Supermarktkette denn's ihre Waren anbieten, Lidl dürfte zwei Geschäfte befüllen, acht die türkische Lebensmittelkette Etsan. Aus anderen Branchen kamen die Drogerieketten dm (sieben) und Bipa (vier), die Tierfachmarktkette Fressnapf (zwei) sowie Libro (eine) zum Zug, wie die BWB Freitagnachmittag bekanntgab.

Dass nun wieder hauptsächlich Lebensmittelhändler zum Zug kommen dürften, bezeichnete BWB-Chef Theo Thanner als "schmerzhaften Punkt". Bei 23 Filialen hegen die Wettbewerbshüter gröbere Bedenken. Eine Übernahme dieser Filialen ginge nur unter Auflagen, machte BWB-Chef Theo Thanner deutlich. Das wäre etwa die Aufgabe einer bisherigen eigenen Filiale, damit der Marktanteil nicht weiter steigt, oder eine Verringerung der Verkaufsfläche. Auch könne der Betrieb als Diskonter (etwa Penny statt Billa) zu einem stärkeren Preiswettbewerb führen. Die BWB prüfte 96 Standorte, bei acht davon versagte sie Verkaufsgenehmigungen.

Bei Zielpunkt ist demnächst vollständig Kassaschluss. Am Freitag haben weitere 39 Filialen zugesperrt, wie der Internetseite der Kette zu entnehmen ist. Kurz vor Neujahr war bereits die gerichtliche Schließung etwa der Hälfte der damals in Summe 229 Standorte verkündet worden. Für 112 Geschäfte samt Zentrale war bereits am 2. Jänner Schluss.

Für die verbliebenen 1350 Mitarbeiter gibt es allerdings keine Garantie, dass sie vom künftigen Betreiber der Standorte übernommen werden. Zielpunkt ist Ende November in die Pleite geschlittert, nachdem die Umsätze nach eigenen Angaben eingebrochen waren. Die Insolvenz hatte einige aufregende Facetten: U. a. hatte Eigentümer Pfeiffer noch kurz vor der Pleite Zielpunkt-Immobilien gekauft. 2700 Mitarbeiter in 229 Filialen sind vom Konkurs betroffen.

Hohe Konzentration

Der Marktanteil von Zielpunkt betrug österreichweit zwar nur 2,5 Prozent, doch war die zur Pfeiffer-Gruppe gehörende Supermarktkette in Wien nach der Filialanzahl die Nummer zwei hinter Billa. Rewe mit Billa, Merkur, Penny und Adeg hat in Österreich dem Marktforscher RegioData zufolge einen Marktanteil von 33,7 Prozent, gefolgt von Spar mit 30,4 Prozent und Diskonter Hofer mit 19,2 Prozent. Entsprechend heikel war die Entscheidung, Spar und Rewe weitere Filialen zuzuschlagen. Allerdings hatte die Wettbewerbsbehörde erläutert, dass es bei jedem Geschäft zu einer Einzelprüfung kommen werde. Somit wurde weniger auf den gesamten Marktanteil, sondern mehr auf die lokalen Gegebenheiten Bedacht genommen. Um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, plant die Behörde die erwähnten Auflagen und schließt einige Filialen vom Verkauf aus.

Die Pleite hat nicht nur die Zielpunkt-Mitarbeiter und jene bei Pfeiffer-Logistik getroffen, sondern auch einige Lieferanten. Am schwersten erwischte es den steirischen Fleischverarbeiter Schirnhofer, der ebenfalls in die Insolvenz geschlittert ist. (red, 29.1.2016)

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