Rüpel-Trump

30. Jänner 2016, 09:00
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Jetzt, wo die US-Präsidentschaftswahlen mit den Caucuses in Iowa in eine neue Phase treten, richten sich, mehr noch als bisher, aller Augen auf den Brachialbaumeister Donald Trump. Die Wahlen sind offen, aber eines ist klar: Ein Mann des gepflegten Understatements ist Trump keiner. In seinem Umfeld gedeiht das grobe Wort, sei's, dass er es selber austeilt, sei's, dass er von der politischen Gegnerschaft damit bedacht wird.

Deutschsprachige Medien charakterisieren Trump gern mit dem Beiwort "Rüpel", welches vor langer Zeit einmal eine Koseform des Vornamens Ruprecht war, jetzt aber einen ungehobelten, sackgroben Gesellen meint. Der "Spiegel" spricht von "Rüpel-Rhetorik", die "Hannoversche Allgemeine" von einem "Rüpel-Trump" und so fort. Ebenfalls beliebt: Trump-Kombis mit "Poltern" ("Amerikas Poltergeist", "Spiegel", "US-Polter-Kandidat", "Merkur.de"), "Flegel" oder "Elefant" ("Ein Elefant namens Donald", "Handelsblatt").

Sollte der US-Wahlkampf in diesem Ton weitergehen – nichts deutet auf das Gegenteil hin -, werden wir noch viel Gelegenheit bekommen, Schimpfvokabular aufzufrischen. Hier schon eine Auswahl von Trump-Schelte zur Einstimmung: "Ein kompletter Idiot" (Karl Rove, Exchefberater von George W. Bush); "ein wahnsinniger Narziss und orangegesichtiger Windbeutel (orangefaced wind-bag)" (Rand Paul, US-Senator und republikanischer Präsidentschaftskandidat), "ein Nichts", "absolut amoralischer Kerl" (der 1938 aus Deutschland vertriebene Historiker Fritz Stern), "Trottel" (Jeb Bush), "pathologischer Lügner" (Demokraten-Kandidat Bernie Sanders) oder "Witzbold" (der Schauspieler Sean Bean).

Die britische Parlamentsabgeordnete Victoria Atkins hat Trump mit dem eher ungebräuchlichen, mild beleidigenden Slangwort "Wazzock" ("Dodel") bedacht, welches der Comedian und Radiomoderator Mike Harding in den 1970er-Jahren popularisierte. Auf die Frage des "Guardian", ob er Wazzock für einen guten Ausdruck halte, um Trump zu beschreiben, antwortete Harding: "Dafür können Wörter gar nicht schmutzig genug sein." (Christoph Winder, 30.1.2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters / aaron p. bernstein
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