Gericht in Mallorca hält an Prozess gegen Infantin Cristina fest

29. Jänner 2016, 14:43
19 Postings

Antrag der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft auf Verfahrenseinstellung wurde abgelehnt

Palma de Mallorca/Madrid – Der Prozess gegen die spanische Infantin Cristina wegen Beihilfe zum Steuerbetrug in einer Korruptionsaffäre wird fortgesetzt: Das Gericht in Palma de Mallorca wies am Freitag die Anträge von Verteidigung und Staatsanwaltschaft ab, das Verfahren gegen die 50-jährige Schwester von König Felipe VI. einzustellen.

Die Verteidigung argumentierte, weder die Staatsanwaltschaft noch die Finanzverwaltung hätten als Geschädigte Anklage gegen ihre Mandantin erhoben. Die Staatsanwaltschaft hatte von der Infantin zwar die Zahlung von Schadenersatz gefordert, wollte aber kein Verfahren gegen sie eröffnen.

Fortführung am 9. Februar

Der Ermittlungsrichter Jose Castro hatte aber eine von der Anti-Korruptionsgruppe Manos Limpias (Saubere Hände) eingereichte Klage zugelassen. Der bis zur jetzt getroffenen Entscheidung des Gerichts ausgesetzte Prozess, der am 11. Jänner begonnen hatte, wird nun am 9. Februar fortgeführt. Außer der Prinzessin gibt es noch 17 weitere Angeklagte, darunter ihr 48-jähriger Mann Inaki Urdangarin.

Die Ermittlungen in der Finanzaffäre dauern seit dem Jahr 2010 an. Der Infantin wird zur Last gelegt, Gelder aus illegalen Geschäften ihres Ehemanns nicht deklariert zu haben. Urdangarin soll zusammen mit einem ehemaligen Geschäftspartner sechs Millionen Euro für eine gemeinnützige Stiftung Noos veruntreut haben, deren Vorsitzender er war.

Infantin will nichts gewusst haben

Die Gelder sollen die Angeklagten über Strohfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die bekannteste der Firmen, Aizoon, gehörten Cristina und ihrem Mann gemeinsam. Die vierfache Mutter beteuert jedoch, nichts von den mutmaßlichen Machenschaften gewusst und in finanziellen Dingen vollkommen ihrem Ehemann vertraut zu haben.

Der einstige Handballnationalspieler muss sich in dem Prozess unter anderem wegen Untreue, Steuerhinterziehung, Betrugs und Geldwäsche verantworten. Cristina droht im Fall ihrer Verurteilung eine Strafe von acht Jahren Haft. Ihr 48-jähriger Ehemann muss möglicherweise mehr als 19 Jahre hinter Gitter. Cristina ist in der Geschichte der spanischen Monarchie die erste nahe Verwandte eines Königs, die in einem Finanzverfahren angeklagt ist. (APA, 29.1.2016)

  • Spaniens Infantin Cristina droht weiter Ungemach – und im Fall einer Verurteilung gar eine Strafe von bis zu acht Jahren Haft.
    foto: reuters

    Spaniens Infantin Cristina droht weiter Ungemach – und im Fall einer Verurteilung gar eine Strafe von bis zu acht Jahren Haft.

Share if you care.