Neue Flugzeuge: Wenn Soldaten in die Luft schauen

30. Jänner 2016, 09:00
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Das Bundesheer hilft derzeit die Grenze zu sichern. Aber auch die Luftwaffe braucht demnächst neue Flieger

Der neue Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil wird sich rascher, als ihm lieb ist, mit einem Beschaffungsprogramm befassen müssen, das wenig Popularitätsgewinn verspricht: Es geht um die Anschaffung neuer Flugzeuge – und da ist seit dem Kommunikationsdesaster um die bisherigen Kampfflugzeugbeschaffungen viel Fingerspitzengefühl notwendig.

Es geht zunächst einmal um den Ersatz der in die Jahre gekommenen Saab 105. Die Beschaffung dieser Flugzeuge hat das Bundesheer in den 1960er-Jahren geplant – 40 Stück sollten die Basis für eine solide Pilotenausbildung legen und die schon damals klaffende technologische Lücke schließen helfen: Die Düsenflugzeugflotte des Bundesheeres bestand damals nämlich aus neun De-Havilland-Vampire-Jägern (einer Entwicklung aus dem Zweiten Weltkrieg), die als Trainingsflugzeuge eingesetzt wurden, und 30 Saab J-29F. Das waren die legendären "fliegenden Tonnen" aus den 1950er-Jahren – die aber auch schon veraltet waren.

Kein Abfangjägerkauf

In den 1950er- und 1960er-Jahren war derartiges Fluggerät nämlich längst durch leistungsfähigere Jets überflügelt worden – für wirkungsvolle Abfangjagden zum Schutz der Neutralität wollte die ÖVP-Alleinregierung der späten 1960er-Jahre daher eine zeitgemäße Luftflotte aufbauen: Die Saab 105 sollte als Trainingsflugzeug dienen, ergänzt um einen modernen Abfangjäger, während die alten Jagdflugzeuge (soweit sie nicht ohnehin abgestürzt waren) ausgeschieden wurden. Die schwedischen Lieferanten machten sich schon Hoffnungen, ihr damals erst als Projekt existierendes Modell J-37 Viggen nach Österreich liefern zu können.

Aber gerade, als Österreich die ersten Saab-105-Maschinen geliefert bekam, begann die Zeit der SPÖ-Alleinregierung unter Bruno Kreisky. Da wurde nicht viel in die Luft geschaut. Die damals geltende Doktrin hat zwar viele Ressourcen in den Aufbau der Raumverteidigung gesteckt, den Abfangjägerkauf aber immer weiter aufgeschoben.

Tatsächlich wurde erst unter der rot-blauen Regierung der Kauf von gebrauchten und ebenfalls ziemlich veralteten Saab J-35 Draken beschlossen. Es dauerte bis 2002, bis die schwarz-blaue Koalition sich zu einem Neuankauf – eben des Eurofighters – durchgerungen hat.

Die Saab 105 wurde zwischendurch nicht nur als Trainingsflieger genutzt, sie diente auch der Erdkampfunterstützung mit Raketen, weshalb sie jahrelang als "Jagdbomber" geführt wurde. Und sie hat seit 1970 immer wieder Aufgaben der Luftraumüberwachung mitübernehmen müssen.

Teure Eurofighter-Stunden

Dazu muss man wissen: Das "Air Policing" muss ein weites Spektrum abdecken, die Abfangjagden können moderne Kampfflugzeuge ebenso betreffen wie in eine Flugverbotszone abgetriebene Heißluftballone. Ersteren würde man mit Eurofightern begegnen, Letzteren eher mit Hubschraubern.

Dazwischen gibt es zivile und militärische Objekte unterschiedlicher Geschwindigkeit, die man mit unterschiedlich schnellen Flugzeugen identifizieren und allenfalls zur Landung zwingen könnte. Aus Kostengründen – eine Eurofighter-Flugstunde kostet bis zu 70.000 Euro – wird man auch weiterhin einen Großteil der Überwachungsflüge mit schwächeren Jets fliegen.

Bis zum Jahr 2020 stehen noch zwölf Saab 105 zur Verfügung, nach 50 Jahren im Einsatz ist dann aber endgültig Schluss. Daher ist im Bundesheer seit Jahren eine Nachbeschaffung geplant – die aktuelle Ausgabe der Schweizer "Flieger Revue" schreibt dazu: "Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem international immer üblicher werdenden Konzept eines sogenannten Companion-Trainers, das ist eine Plattform, die in der Cockpitausrüstung samt simuliertem Radar- und Waffeneinsatz dem Einsatzmuster so nahekommt, dass viele von dessen Übungsflugstunden in dem Trainer absolviert werden können. Zu oft nur einem Zehntel der Flugstundenkosten. Da, so die inzwischen auch von den Militärs nicht mehr verleugnete Einsicht, 15 Eurofighter für einen täglichen 24-Stunden-Betrieb zu wenig sind, wird der neue Trainer zudem auch aktive Luftraumpolizei machen müssen."

Das war schon klar, als der Eurofighter bestellt wurde. Damals dachte man daran, ihn um die britische Hawk zu ergänzen – doch wegen des politischen Wirbels um die Eurofighter traute sich 14 Jahre lang kein Politiker, einen Neukauf auch nur anzusprechen.

Im Stillen wurde aber sondiert: Einerseits wurde die tschechische L-159 geprüft, von denen im Nachbarland mehr produziert als letztlich beschafft wurden. Doch die überzähligen Flugzeuge sind längst verwertet – mehr als ein Dutzend davon ist im Irak gelandet.

Als liebste Lösung gilt den Fliegern die italienische Aermacchi M-346, die ein ähnliches Cockpit wie der Eurofighter aufweist. Auf diesem Flugzeug (oder dem Vorgängermodell M-339) trainieren Bundesheerpiloten schon jetzt regelmäßig. Für einen Kauf fehlt aber das formelle Beschaffungsprogramm. Und das Geld: Die gewünschten zwölf Flugzeuge wird man allenfalls leasen können. (Conrad Seidl, 30.1.2016)

  • Aermacchi 346: Geld reicht allenfalls für ein Leasingmodell.
    foto: ap / wong maye-e

    Aermacchi 346: Geld reicht allenfalls für ein Leasingmodell.

  • Schon beim Eurofighter-Kauf mitgeplant, aber nie beschafft: die britische Hawk.
    foto: epa / manjunath kiran

    Schon beim Eurofighter-Kauf mitgeplant, aber nie beschafft: die britische Hawk.

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