Vorsicht, dieser Witz kann ihrer Seele schaden!

Kolumne29. Jänner 2016, 17:00
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Obacht, diese Kolumne enthält einen Burgenländerwitz. Warum ich ihnen das sage? Weil ich kein Risiko eingehen will. Weil ich keinen Schadenersatzprozess am Hals haben möchte. Vielleicht halten Sie Witze mit der Herkunftsbezeichnung der Witzfiguren für kulturalistisch und rassistisch. Vielleicht haben Sie eine Freundin in Frauenkirchen oder einen Gspan in Güssing und reagieren gekränkt. Oder womöglich sind Sie gar selbst Burgenländer! Na dann aber hallo!

Der Korrespondent der FAZ hat kürzlich berichtet, die politische Korrektheit an britischen Unis habe Ausmaße angenommen, dass manche Professoren gar nicht mehr zum Reden kommen, weil sie gleich a priori als "transphob", "professionelle Frauenfeinde" oder "Vergewaltigungsverteidiger" niedergebuht werden. Das Tragen von Sombreros (Werbegeschenk eines mexikanischen Restaurants) gilt als unziemlich (Rassismusverdacht). En vogue ist auch, dass die Studenten "Triggerwarnungen" vor der Lektüre literarischer Werke einfordern, auf dass ihre Lämmchenseelen nicht durch böse Stellen bei Shakespeare und Co gereizt werden. Die Uni soll ein "Safe Space" sein, die das "Recht auf Behaglichkeit" verbürgt.

Der Krisenkolumnist hält all dies für eine gute, gesunde Entwicklung. Wer würde daran zweifeln, dass die Welt durch inbrünstig aggressiv vorgetragene Empfindsamkeit zu einem besseren Ort wird? Wir wollen die rückwirkende Säuberung der Weltliteratur von jedem einzelnen Neger, wir wollen die Verhängung jedes abendländischen Marmorzipfels, wir wollen Triggerwarnungen im Kunsthistorischen Museum, wo die unglaublichsten Sauereien herumhängen! Selbstverständlich gestalte ich auch diese Kolumne fortan als Safe Space und weise per Triggerwarnung auf hässliche Wörter hin ("Vorsicht! In dieser Kolumne steht ,ein Schas'!") Mit ihrer seelischen Gesundheit sind Sie bei mir besser aufgehoben als bei jedem Spitzenpsychiater.

Ah ja, der Witz. Kommt ein Wiener in ein burgenländisches Gasthaus und sieht dort drei Burgenländer, die ganz außer sich vor Begeisterung mit Wein anstoßen. Fragt der Wiener: "Was ist denn los? Warum die Riesenfreude?" Die Burgenländer antworten: "Wir haben uns ein Puzzle gekauft und haben es in drei Wochen gelöst!" Sagt der Wiener: "Aha. Na und?". Die Burgenländer: "Auf der Schachtel ist gestanden: Zwei bis vier Jahre." (Christoph Winder, Album, 29.1.2016)

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