Fahndungs-Website mit den "Most Wanted" Europas online

29. Jänner 2016, 17:16
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45 Fotos und Kurzsteckbriefe auf neuer Website sollen Hinweise für die EU-weite Fahndung nach mutmaßlichen Terroristen, Mafiosi und Mördern bringen

Wien – Es ist eine virtuelle Versammlung, der man im wahren Leben nicht beiwohnen wollen würde: Auf eumostwanted.eu sind nun Europas meistgesuchte Verbrecher vereint. Den 44 Männern und einer Frau werden etwa Morde, Terroranschläge, Entführungen, schwere Körperverletzung, Kindesmissbrauch und Betrug zur Last gelegt. Unter ihnen sind der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Terroranschläge vom November 2015, Salah Abdeslam, die Finnin Marina Cecilia Kettunen, der Betrug zur Last gelegt wird, und der von Österreich gesuchte Hime Lufaj, der 2009 in Wien-Währing einen Polizisten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt und 2006 einen Raubversuch begangen haben soll.

Diese erste europaweite Initiative, eine "Most wanted"-Liste zu veröffentlichen, diene dem Ziel, die Sicherheit in der EU zu erhöhen, teilte die europäische Polizeiagentur Europol am Freitag mit. Auf der Website sind laut Bundeskriminalamt bisher die Meistgesuchten von 22 europäischen Staaten vereint. Beiträge weiterer Länder sollen folgen.

In 17 Sprachen

Die Polizei jedes Mitgliedsstaates bestimmt, wessen Bild und Kurzsteckbrief sie auf die gemeinsame Seite stellt. Die Anordnung der Bilder dort ändert sich mit jedem Aufruf. Angegeben sind auch Kontaktdaten zur jeweils suchenden Behörde. Die Informationen sind in 17 Sprachen abrufbar.

Erstellt hat die Seite das Zielfahndungsnetzwerk Enfast mit Unterstützung Europols. Enfast steht für European Network of Fugitive Active Search Teams und wurde 2010 gegründet, um zwischen Ländern in wichtigen Fahndungsfällen Informationen rasch auszutauschen und so Schwerkriminelle schneller festnehmen zu können. 2011 seien so laut Bundeskriminalamt 42 Gesuchte festgenommen worden. 2014 waren es bereits 223, im ersten Halbjahr 2015 schon 118 Personen. Durch das Tool werde die Bevölkerung informiert und eingebunden, meinte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).

Mafiaboss und Tibor Foco

Manch Gesicht auf der Liste ist schon sehr lange im Fokus der Behörden: etwa der italienische Mafiaboss Matteo Messina Denaro, mutmaßlicher Anführer der sizilianischen Cosa Nostra, dem unter anderem Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen werden. Nach ihm wird mittels alten Schwarzweißbildes gesucht.

Oder Tibor Foco, der verdächtigt wird, 1986 eine Prostituierte ermordet zu haben und deshalb 1987 in Österreich rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Mittlerweile wurde das Urteil aufgehoben und das Verfahren neu aufgenommen. Doch 1995 floh der Inhaftierte, der ein Jusstudium begonnen hatte, bei einem Studienausgang. (spri, 29.1.2016)

  • 45 Fotos und Steckbriefe der meistgesuchten Verbrecher von bisher 22 EU-Staaten – weitere sollen folgen – sind nun auf einer gemeinsamen Seite zu finden.
    foto: apa/afp/europol/stringer

    45 Fotos und Steckbriefe der meistgesuchten Verbrecher von bisher 22 EU-Staaten – weitere sollen folgen – sind nun auf einer gemeinsamen Seite zu finden.

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