Die Weiterbildungstrends

30. Jänner 2016, 09:00
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Changemanagement und agile Führungsmethoden sind populär. Programme sind immer häufiger englischsprachig und international angelegt

Die Megatrends Globalisierung und Digitalisierung lassen nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Weiterbildungslandschaft nicht unberührt. Führungskräfte wollen sich und ihr Unternehmen für den Wandel wappnen, zudem andere Regionen der Welt kennenlernen, ihre Sprachkenntnisse verbessern. Darauf reagieren Bildungsanbieter – und bauen internationale Programme aus. Gefragt sind aktuell auch Kurse zu Strategie- und Innovationskompetenzen und neuen Leadership-Techniken.

In puncto Lernmethoden wird gerne auf flexible, interaktive Online-Formate, kombiniert mit Präsenzmodulen, zurückgegriffen. Weiter geht offenbar auch der Trend lebenslanges Lernen – der MBA (Master of Business Administration), mit dem Berufstätige Kenntnisse auffrischen und vertiefen, ist nach wie vor populär. Die Weiterbildungstrends im Detail:

Life-long Learning

Führungskräfte, die schon seit mehreren Jahren im Job sind, starten Weiterbildungsprogramme, um sich gewisse Zusatzqualifikationen anzueignen. Beliebt scheinen zu diesem Zwecke weiterhin MBA-Programme. Laut einer aktuellen GMAC-Umfrage – einer weltweiten Panel-Befragung von 641 Anbietern postgradualer Managementausbildungen – steigt die Nachfrage nach den Programmen konstant an. Teilnehmer wollen ihre Kenntnisse "updaten", also den aktuellen Fragestellungen anpassen, aber auch vertiefen, sagt Barbara Stöttinger, Leiterin der WU Executive Academy, des Weiterbildungszentrums der Wirtschaftsuni Wien. "Sie möchten wissen: Was brauche ich nach zehn Jahren im Beruf, was sind die aktuellen Themen? Um dann einzelne Schwerpunkte zu setzen."

Internationale Programme

Jedes zweite österreichische Unternehmen ist laut Wifi mittlerweile grenzüberschreitend aktiv. Folglich ist die Nachfrage nach internationalen Weiterbildungsprogrammen hoch. Stöttinger: "Führungskräfte wollen sich alle möglichen Regionen der Welt anschauen, um zu sehen, was sich dort tut." Die WU Wien bietet dafür etwa den "Global Innovation Expert" an, dessen Module auf drei verschiedenen Kontinenten stattfinden: Asien, Europa und in den USA. Die Unterrichtssprache ist Englisch.

Die Donau-Universität Krems will auf die Internationalisierung mit dem Relaunch ihres EMBA (Executive MBA) reagieren. Er soll "Einblicke in internationale Wirtschaftsdynamiken und neue Wachstumsmärkte" liefern, auch hier sind Auslandsaufenthalte – in China, Nordamerika und im Silicon Valley – Teil des Programms. Das Continuing Education Center der Technischen Universität Wien stellt einen ihrer MBAs, den Professional MBA Facility Management, auf Englisch um – im September dieses Jahres wird er erstmals in neuer Form starten.

Stark nachgefragt würden internationale Formate ebenfalls an der Limak Austrian Business School. Dort beginnt im November in Kooperation mit der SMBS University of Salzburg Business School das berufsbegleitende Studium zum Global Executive MBA.

Ihre Sprachkenntnisse wollen viele in Extrakursen verbessern, heißt es seitens des Wifi, und diese dann auch zertifizieren lassen.

Durch den Wandel führen

Rasanter Wandel erfordert Fähigkeiten, ihn zu managen. 30 Prozent haben laut aktuellem "Hernstein Management Report" zum Thema Führungskräfteentwicklung im letzten Jahr Weiterbildungen zu Leadership- und Managementthemen absolviert. Sie "wollen wissen, wie sie optimal auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen reagieren, wie sie ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen, wie es sich in rasch verändernden Märkten weiterentwickeln soll, wie Innovationsprozesse implementiert und vorangetrieben werden können", heißt es beim Wifi.

Heiß begehrt sind laut Hernstein Institut für Management und Leadership auch Weiterbildungen zu agilen Führungs- und Steuerungsmethoden oder Führen ohne Vorgesetztenfunktion. "Das spiegelt die Veränderungen in den Organisationen wider: Dort werden die Hierarchien immer flacher, Projektarbeit – oft in agilen Ausprägungen – gewinnt weiter an Bedeutung", sagt Eva-Maria Ayberk, Leiterin des Instituts. "Viele wollen wissen: Wie bin ich als Chef? Und wie kann ich aktuellen Anforderungen entsprechen?", sagt Stöttinger von der WU.

Weil Teams zudem immer heterogener werden – nicht nur was Herkunft, sondern auch was Altersstrukturen angeht -, wollen viele Führungskräfte ihre Generationen-, Konflikt- und Diversitätsmanagement-Kompetenzen verbessern. Auf der Weiterbildungsagenda steht häufig auch: interkulturelle Kompetenz.

Flexibel und interaktiv lernen

Weiterbildungswillige sind immer seltener bereit, sich "berieseln" zu lassen, bemerkt Ayberk. Weiterbildung, das könne man "heute schon bequem mit Youtube vom Sofa aus erledigen." Auch BFI-Wien-Chefin Valerie Höllinger stellt fest: "Immer mehr Lernende wollen lernen, wann und wo es ihnen passt". Das bestätigt auch die weltweite GMAC-Umfrage unter Anbietern für postgraduale Managementausbildungen, der zufolge E-Learning-Formate zunehmend nachgefragt werden.

Bei der Gestaltung setzt etwa das BFI auf Multimedialität und Interaktivität, sie würden "den unterschiedlichsten Lerntypen ermöglichen, den Stoff in ihrem ganz individuellen Tempo zu lernen und zu wiederholen." Ergänzend zu den E-Learning-Angeboten beantworten – im Sinne einer "Blended Learning" Strategie – jedoch nach wie vor reale Lehrende Fragen und geben diesbezüglich Feedback.

Kurzprogramme

Neue Kompetenzen möglichst schnell erwerben: Neben MBAs sind offenbar auch akademische Kurzformate beliebt. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage danach an der Limak Austrian Business School um 70 Prozent gestiegen. Auch von der Donau-Uni Krems heißt es, Firmen würden gerne einzelne "High Potentials" in spezialisierte Lehrgänge schicken.

Vielfach nachgefragt sind am Wifi Ein- bis Zwei-Tages-Seminare "für lösungsorientiertes und sofort umsetzbares Know-how".

Viel Förderung

Die Rahmenbedingungen für Weiterbildung dürften in den heimischen Unternehmen zurzeit günstig sein, sowohl finanzielle als auch zeitliche Ressourcen betreffend. "Je höher jemand in der Hierarchie steht, umso mehr Tage pro Jahr darf er sich auf Kosten des Unternehmens weiterbilden", heißt es von der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung (PbEB). Eine aktuelle Studie der PbEB zeigt, dass immerhin 38 Prozent der Geschäftsführer und 42 Prozent der leitenden Angestellten mehr als fünf Weiterbildungstage pro Jahr zugestanden werden, dagegen nur 29 Prozent der nichtleitenden Angestellten.

Auch finanziell sind Unternehmen offenbar bereit, in die Weiterbildung ihrer Führungskräfte zu investieren: Bei 51 Prozent der im Hernstein Management Befragten werden die gesamten Weiterbildungskosten von der Firma getragen, bei weiteren 25 Prozent ist es der überwiegende Teil. (Lisa Breit, 30.1.2016)

  • Weiterbildung: International, interaktiv, lebenslang

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