Geheimhaltung und Kontrolle: Junge Talente wollen nicht zu Apple

29. Jänner 2016, 09:40
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Die Arbeitskultur des IT-Giganten erschwert die Anwerbung neuer Mitarbeiter

Geht es um potenzielle Arbeitgeber, ist Apple für immer weniger junge Talente in der IT-Branche eine Option. Während Arbeitsplätze bei Facebook, Alphabet (Google) und aufstrebenden Konzernen wie AirBnb und Uber äußerst begehrt sind, wird Apple von vielen Entwicklern und Designern strikt abgelehnt. Das berichtet der Guardian, der mit einer Reihe von jungen Talenten gesprochen hat. Als Hauptgrund für die Ablehnung gilt Apples berüchtigte Arbeitskultur. Sie beruht auf zwei Pfeilern: Geheimhaltung und Kontrolle.

Sozialer Status gefährdet

Apple-Entwickler dürfen beispielsweise nicht einmal angeben, in welcher Abteilung des IT-Konzerns sie tätig sind. Auf einer Fachkonferenz über neue Ergebnisse im Bereich Künstlicher Intelligenz zu referieren, ist für Apple-Mitarbeiter unorstellbar. "Es schmerzt viele Leute bei Apple, dass sie nicht über ihre Arbeit sprechen können, da dies auch ihren sozialen Status beeinträchtigt", sagt der Start-Up-Gründer Troy Sultan zum Guardian. Dadurch müssten Entwickler auch in die Pläne der Chefetage vertrauen, statt in Entscheidungen eingebunden zu werden.

Kontrolle

Ein anderes Problem stellt die strikte Kontrolle dar. Ehemalige Mitarbeiter haben mehr als einmal über extrem harsche Behandlungen durch Vorgesetzte berichtet. Besonders Apple-Mitbegründer Steve Jobs war für seine Wutausbrüche berüchtigt. Doch Jobs war gleichzeitig für viele ein Stern am Himmel des Silicon Valley, dem man bereitwillig folgte – Nachfolger Tim Cook verfügt nicht über ein solches Charisma.

Im Gegensatz zu anderen Unternehmen deckt Apple seine Mitarbeiter auch nicht mit kostenlosen Zusatzleistungen und Gimmicks ein. Apple-Mitarbeiter erhalten keine Gratis-iPhones, auch für das Essen in der Kantine müssen sie zahlen. Das erscheint aus Perspektive eines "regulären" Arbeitnehmers normal, im Silicon Valley ist es das nicht.

Apple sei "Teslas Friedhof"

Das alles verkompliziert Apples Situation, die sich momentan mit der Suche nach dem "nächsten großen Ding" beschreiben lässt. Um wirklich Innovationen zu erzielen, brauche es motivierte, frische Personen, so der Guardian weiter. Diese hätten keine Lust, Jahr für Jahr nur das iPhone zu verbessern. Doch im Bereich selbstfahrender Autos oder Künstlicher Intelligenz kann Apple kaum Toppersonal anwerben. Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete Apple in einem legendären Ausspruch als "Friedhof für ehemalige Tesla-Mitarbeiter".

Genug Geld für gute Angebote

Allerdings gibt es natürlich auch andere Argumente: Mit Amazon hat eine weitere der Top-IT-Firmen eine ähnlich harsche Unternehmenskultur. In anderen Branchen – etwa der Finanzbranche – ist ein solcher Umgang ohnehin Usus. Außerdem verfügt Apple über riesige Cash-Reserven: Und auch wenn die Work-Life-Balance eine immer wichtigere Rolle spielt – gegen ein sehr großzügiges Angebot könnten auch selbstbewusste IT-Talente wohl nur selten widerstehen. (red, 29.1.2016)

  • Apple tut sich schwer, neue Talente an Land zu ziehen
    foto: apa/afp/beck

    Apple tut sich schwer, neue Talente an Land zu ziehen

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