Neuanfang für minderjährige Flüchtlinge beim "Guten Hirten"

29. Jänner 2016, 13:46
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Ein Linzer Schüler- und Studentenheim ist das neue Zuhause für 18 junge Asylwerber

Linz – Österreichweit befinden sich mit Ende Jänner 6.350 unbegleitete minderjährige Fremde (UMF) in der Grundversorgung. 900 von ihnen leben in Oberösterreich, 18 in einem speziellen Wohnprojekt. Die kleine Gruppe junger Asylwerber ist im September in das Linzer Schüler- und Studentenheim "Guter Hirte" der Caritas Oberösterreich eingezogen.

Gemeinsam mit einem Betreuerteam und einer Psychologin wird in Österreichs einziger Studenten-Flüchtlings-WG versucht, behutsam die Wunden der Vergangenheit zu heilen und gemeinsam neue Hoffnung keimen zu lassen.

Langsame Öffnung

Der 15-jährige Karam sitzt in der kleinen Gemeinschaftsküche. Nachdenklich wirkt der Jugendliche mit den dichten schwarzen Locken. "Er hat sich in den ersten Wochen nach seiner Ankunft sehr zurückgezogen. Aber es wird zunehmend besser, langsam kann er sich öffnen und spricht über das Erlebte", erzählt Daniela Anzengruber, Leiterin der UMF-Wohngemeinschaft der Caritas, im STANDARD-Gespräch.

Karam ist im im Frühjahr 2015 alleine aus Afghanistan nach Österreich geflohen. Zweieinhalb Monate in eine ungewisse Zukunft. Aber immerhin eine Perspektive, weit weg vom Krieg und Terror in Afghanistan. Vater und Bruder wurden von den Taliban ermordet, die Mutter starb an einer schweren Krankheit.

Dass er in Österreich gelandet ist, sei nicht geplant gewesen. Die Flucht beschreibt der 15-Jährige als ein ewiges Gehen, geprägt von großer Erschöpfung, Angst und Ungewissheit. Als er in Österreich mit einer Gruppe Flüchtlinge von der Polizei aufgegriffen wurde, habe er sich "nur mehr ausruhen" wollen. Zwei Monate verbrachte Karam im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen, dann konnte er in die Linzer WG einziehen.

Fixe Tagesstruktur

Zu den Hauptaufgaben der Mitarbeiter gehört es, den Jugendlichen eine Tagesstruktur zu geben und sie auf ein Leben in Selbstständigkeit vorzubereiten. "Zum Alltag, den die Jugendlichen erst erlernen müssen, zählen neben dem Schulbesuch unter anderem das Einkaufen, Kochen und Putzen, genauso Deutschunterricht und diverse Freizeitangebote", erzählt Anzengruber.

Vor allem scheint das eigentliche Konzept der Wohngruppe voll aufzugehen: "Das Miteinander der untergebrachten minderjährigen Flüchtlinge und der Linzer Studierenden aus dem direkt angeschlossenen Studentenheim funktioniert und ist befruchtend für beide Seiten." Ein Beweis dafür hängt seit dieser Woche an der großen Infotafel im Gang des Wohnheims: "Jeden Donnerstag gemeinsamer Kochabend". (Markus Rohrhofer, 29.1.2016)

  • Die Flucht beschreibt der 15-Jährige als ein ewiges Gehen, geprägt von großer Erschöpfung, Angst und Ungewissheit.
    foto: apa

    Die Flucht beschreibt der 15-Jährige als ein ewiges Gehen, geprägt von großer Erschöpfung, Angst und Ungewissheit.

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