OMV schreibt weitere Milliarden in den Wind

29. Jänner 2016, 13:13
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Der Ölpreisverfall veranlasst die OMV zu einer Abschreibung von 1,5 Milliarden Euro. Auch für ein Gasprojekt in Rotterdam gibt es eine Rückstellung

Wien – Die Höhe des Wertberichtigungsbedarfs hat am Freitag selbst Experten überrascht, die mit der OMV seit vielen Jahren auf Tuchfühlung sind. Nicht weniger als 1,5 Milliarden Euro musste Österreichs größtes Unternehmen im Schlussquartal 2015 abschreiben, nachdem im November bereits eine Milliarde Euro für das dritte Quartal wertberichtigt worden waren.

Zusätzlich kommen noch 300 Millionen hinzu, die für Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dem vor Jahren eingegangenen Engagement beim LNG-Terminal "Gate" in Rotterdam zurückgestellt wurden. Die hochgesteckten Erwartungen in das vergleichsweise teure LNG (verflüssigtes Erdgas) haben sich nie erfüllt. Statt der erwarteten Knappheit am Gasmarkt ist Europa von Pipelinegas regelrecht überschwemmt worden. Die OMV beziehungsweise deren Tochter Econgas muss aber die gebuchten Kapazitäten zahlen, egal ob sie benötigt werden oder nicht.

Revidierte Ölpreisprognose

Begründet wird der neuerliche Wertberichtigungsbedarf von der OMV mit dem dramatischen Verfall der Öl- und Gaspreise. Die Kalkulationen des Konzerns basierten bisher auf einem Ölpreis von 55 Dollar je Fass (159 Liter), der 2017 auf 70 Dollar im Jahresmittel steigen sollte. Die revidierten Annahmen für 2016 fußen jetzt auf 40 Dollar je Fass im Jahresmittel. 2017 soll der Ölpreis der Sorte Brent auf 55 Dollar steigen, 2018 auf 65 und 2019 auf 70 Dollar je Fass.

Am Freitag wurde das für Europa preisbestimmende Nordseeöl bei knapp 35 Dollar gehandelt. Das war um fast drei Prozent höher als am Donnerstag, als erste Gerüchte um ein mögliches konzertiertes Vorgehen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit Russland die Runde machten. Nach Angaben des russischen Energieministers Alexander Nowak habe Saudi-Arabien, das größte und wichtigste Opec-Förderland, eine Reduzierung der Produktion um fünf Prozent vorgeschlagen. Zusammen würden Russland und Saudi-Arabien dann schon eine Million Barrel am Tag weniger produzieren.

Erst vor eineinhalb Wochen hat der Rohölpreis nach einem Absturz auf deutlich unter 30 Dollar ein Zwölf-Jahres-Tief verzeichnet.

Gazprom-Deal bis Sommer

Experten schätzen das Überangebot auf bis zu drei Millionen Fass am Tag: Liegt der durchschnittliche Tagesverbrauch bei rund 90 Millionen Fass, bewegt sich die täglich produzierte Menge an Rohöl bei etwa 93 Millionen Fass. Hinzu kommen noch rund 50 Millionen Barrel, die allein vor der Küste des Iran auf Schiffen gebunkert sind. Weil auch die Öllager zu Lande vielerorts randvoll sind, dürfte der Druck auf die Preise wohl noch länger anhalten.

OMV-Generaldirektor Rainer Seele jedenfalls geht davon aus, dass keine weiteren Abschreibungen nötig sein werden. Wie stark die jüngste Wertberichtigung das Jahresergebnis 2015 drücken wird, wollte Seele auf Anfrage der Austria Presse Agentur noch nicht beziffern. Das Jahresergebnis wird am 18. Februar zusammen mit der neuen Strategie des Konzerns in London präsentiert.

Außer in Russland will die OMV, wie berichtet, verstärkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Iran nach Kohlenwasserstoffen suchen. Beim geplanten, wenn auch umstrittenen Tausch von OMV-Vermögenswerten gegen Anteile an einem sibirischen Gasfeld von Gazprom macht Seele Druck: "Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Bis Sommer werden wir wissen, ob wir uns einigen oder nicht." (Günther Strobl, 29.1.2016)

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