Auch europäische Journalisten in Haft: Neue Großrazzia in Burundi

29. Jänner 2016, 11:02
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Mindestens 17 Personen über Nacht verhaftet, darunter Mitarbeiter von Le Monde und britischer Fotograf

Bujumbura – Regierungstreue Sicherheitskräfte haben in der Nacht auf Freitag in Burundi mindestens 17 Menschen verhaftet. Unter den Festgenommenen sind auch mindestens zwei Mitarbeiter ausländischer Medien, wie die Regierung bekanntgab. Bei den Verhafteten soll es sich um den französischen Journalisten Jean Philippe Remy, den leitenden Afrika-Korrespondenten von "Le Monde", und um den britischen Fotojournalisten Phil Moore handeln.

"Le Monde"-Direktor Jérome Fenoglio forderte die sofortige Freilassung der beiden Journalisten. Beide Mitarbeiter seien mit einem Journalistenvisum im Land gewesen und gingen nur ihrem Beruf nach, sich mit Vertretern aller Konfliktparteien zu treffen. Beide Journalisten hatten zuvor noch auf Twitter von einer neuen Festnahmewelle in jenen Vierteln gesprochen, in denen die Regierung Oppositionsanhänger vermutet.

Polizeisprecher Moise Nkurunziza sagte, Moore sei am Donnerstagnachmittag in Bujumbura festgenommen worden, als er inmitten einer Gruppe "Krimineller" gewesen sei. Rémy sei festgenommen worden, als er nach Moore am Ort des Geschehens eingetroffen sei. Es war nicht sofort klar, was beiden Männern vorgeworfen wurde.

Warnung vor Bürgerkrieg

Schon in den vergangenen Wochen und Monaten hatte es immer wieder Verhaftungen von Oppositionellen gegeben. Auch über Exekutionen gibt es glaubhafte Berichte. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden jüngst zudem Massengräber entdeckt. In Burundi gibt es seit dem Frühjahr 2015 heftige Unruhen. Damals hatte Präsident Pierre Nkurunziza angekündigt, entgegen der bis dahin gültigen Verfassung für eine dritte Amtszeit als Präsident kandidieren zu wollen. Zunächst friedliche, später auch gewaltsame Proteste der Opposition waren die Folge. Nkurunzia wurde dennoch im Sommer wiedergewählt.

Nach einer Verschärfung der Situation war die Angst von einem Bürgerkrieg zuletzt gewachsen. Die Afrikanische Union AU hat daher vorgeschlagen, Friedenstruppen zu entsenden. Die UN unterstützt dies, die Regierung Burundis ist dagegen. Sie hat angekündigt, sie unter Umständen sogar bekämpfen zu wollen. Bei blutigen Unruhen sind in den vergangenen Monaten insgesamt schon mehr als 400 Menschen in Burundi ums Leben gekommen. (red, 29.1.2016)

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