US-Oberkommandant in Afghanistan: Sicherheitslage verschlechtert

29. Jänner 2016, 07:21
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John Nicolson bei Anhörung im Senat: Armee wird noch Jahr brauchen

Washington – Der designierte Oberkommandant der US- und Nato-Truppen in Afghanistan geht davon aus, dass die afghanischen Truppen erst in einigen Jahren alleine die Verantwortung für die Sicherheit ihres Landes übernehmen können.

Die Afghanen seien "geborene Kämpfer", sagte John Nicholson am Donnerstag bei einer Anhörung im Senat in Washington. Aber der Aufbau der afghanischen Armee sei langwierig, insbesondere der der Luftwaffe. Trotz zahlreicher Fortschritte "werden wir in einigen Bereichen noch Jahre brauchen, insbesondere bei der Luftwaffe", sagte Nicholson. Er räumte ein, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan im vergangenen Jahr nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen verschlechtert habe.

Truppenaufstockung bleibt möglich

Der General, der bereits über Erfahrung in Afghanistan verfügt, soll den derzeitigen Befehlshaber John Campbell ablösen. Nicholson kündigte vor dem Senat an, binnen 90 Tagen nach seinem Amtsantritt zu überprüfen, ob die derzeitige Truppenstärke angemessen sei. Campbell hatte den Posten 18 Monate lang inne. Er hatte im Dezember angekündigt, die USA schlössen eine Truppenaufstockung in Afghanistan nicht aus.

US-Präsident Barack Obama hatte im Oktober bereits zugesagt, dass die derzeit 9.800 US-Soldaten nicht wie zuvor vorgesehen auf tausend reduziert werden, sondern in voller Stärke bis Ende 2016 im Land bleiben. Anschließend soll ihre Zahl auf 5.500 reduziert werden.

Die USA und ihre Verbündeten hatten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet und die Verantwortung für die Sicherheit den afghanischen Sicherheitskräften übergeben. Seitdem beschränkt sich die Aufgabe der verbleibenden Nato-Truppen auf Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Anti-Terror-Einsätzen. Mehrere Rückschläge im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban ließen aber Zweifel aufkommen, dass die afghanische Polizei und Armee allein die Lage unter Kontrolle halten können. (APA, 29.1.2016)

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