Zika-Virus könnte bis zu vier Millionen Menschen treffen

28. Jänner 2016, 14:59
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WHO-Virus-Experte erwartet zwischen drei und vier Millionen Infizierte

Genf – Die WHO will am kommenden Montag entscheiden, ob wegen des Zika-Virus in Lateinamerika ein weltweiter Gesundheitsnotfall ausgerufen werden muss. "Wir sind extrem alarmiert", sagte Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. Der Erreger verbreite sich in einigen Gegenden fast explosionsartig, betonte Chan bei einer Sitzung des WHO-Exekutivrates.

Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) rechnet mit einer schnellen Ausbreitung des Zika-Virus in Süd- und Nord-Amerika. Er erwarte zwischen drei und vier Millionen Infizierte, sagte der WHO-Virus-Experte Marcos Espinal am Donnerstag in Genf. Allein in Brasilien könnten sich 1,5 Millionen Menschen mit dem Erreger anstecken. Bisher sei er in insgesamt 23 Regionen Amerikas aufgetreten. Das Virus gilt vor allem für Schwangere als gefährlich, da es im Verdacht steht, Missbildungen bei Neugeborenen zu verursachen. Die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan sagte, die Epidemie habe ein "alarmierendes Ausmaß" angenommen. Die WHO setze daher eine Sonder-Arbeitsgruppe für den Kampf gegen Zika ein.

Zika gilt als Verwandter des weit verbreiteten Dengue-Fiebers. Symptome sind leichtes Fieber, rote Augen und Ausschlag. Aber 80 Prozent der Infizierten haben überhaupt keine Symptome. Gegen Zika gibt es keine Impfung und auch keine Behandlung.

Das brasilianische Gesundheitsministerium sieht eine Verbindung zu einer besonderen Form von Missbildungen bei Neugeborenen, die mit viel zu kleinen Köpfen zur Welt kommen. WHO-Generaldirektorin Chan sagte, der Zusammenhang sei zwar noch nicht wissenschaftlich bewiesen, es gebe jedoch einen starken Verdacht. Brasilien hat mehr als 4000 Fälle solcher Missbildungen an die WHO gemeldet. Das ist 30-mal mehr als etwa im Jahr 2010.

Soldaten gegen Stechmücken

Zugleich warnte die UN-Organisation vor Panik. "Das ist nicht Ebola", sagte Marcos Espinal. Das brasilianische Militär will mit einer Großoffensive Stechmücken als Überträger des Virus bekämpfen. In Brasilien soll in 356 Städten und Gemeinden sowie Tausenden Schulen über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160.000 Soldaten, 30.000 Angehörige der Marine und 30.000 Militärs der Luftwaffe werden dafür eingesetzt.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff kündigte für Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur an. Vor dem nächste Woche beginnenden Karneval sollen auch am Hauptveranstaltungsort, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht.

Reisewarnungen

Auch Nicaragua meldete erste Infektionen. Honduras wies etwa 1.000 Ansteckungen nach. Der Erreger ist in über 20 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. Experten befürchten eine Ausbreitung auf den gesamten amerikanischen Kontinent – mit Ausnahme von Alaska und Teilen Chiles.

Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine warnte Schwangere vor Reisen in französische Überseegebiete. Geplante Touren etwa auf die Karibikinsel Martinique oder nach Französisch-Guayana sollten verschoben werden.

Kein Grund zur Panik

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm.

In Europa waren bisher nur vereinzelt Infektionen zur beobachten. In Österreich ist ein Fall bekannt geworden: Eine heimische Touristin soll sich bei einer Reise nach Brasilien infiziert haben. Es sei zu befürchten, dass immer wieder Reisende in den nächsten Wochen mit dem Zika-Virus zurückkehren werden, sagte der Wiener Tropenmediziner Herwig Kollaritsch. "Vier Fünftel werden es nicht einmal merken." Und für die Betroffenen sei es, "sofern sie nicht schwanger sind, völlig egal", erläuterte der Experte. (APA, dpa, Reuters, 28.1.2016)

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