Warum sich Kinder nicht nur im Fasching gern verkleiden

Blog29. Jänner 2016, 05:30
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Im Moment dreht sich alles um das Faschingsfest und die Verkleidung. Doch auch im Alltag werden spielerisch andere Verhaltensweisen erforscht

Mario möchte sich gerne als Star-Wars-Figur verkleiden. Seine Schwester will auch heuer wieder eine Prinzessin sein. Die Kinder sind schon ganz zappelig und freuen sich auf das Faschingsfest. Etwas anders sieht das Wolfi. Er freut sich zwar schon auf das Fest in der Schule, will sich aber nicht verkleiden. Denn er findet es irgendwie blöd, sich ein Kostüm auszusuchen und es dann anzuziehen. "Ich geh als ich!", sagt Wolfi. Auch bei Jenny und Babsi ist die Faschingsparty und ihre Verkleidung derzeit das wichtigste Gesprächsthema. Doch die Eltern sind mit der Kostümwahl ihrer Töchter – Zombie und Punkerin – nicht ganz glücklich. Egal ob mit oder ohne Verkleidung, im Fasching wollen viele ihren Spaß haben.

Solange die Kinder klein sind, geben oft die Eltern das Kostüm vor. Sehr bald wollen die Mädchen und Buben aber ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einbringen und sich als das verkleiden, was ihnen gefällt. Oft ist es gar nicht wichtig, dass die Verkleidung perfekt ist. Viel wichtiger ist, dass das Kind daran viel Freude hat und sich damit identifizieren kann.

In Rollen schlüpfen

Kinder verkleiden sich gern und schlüpfen in verschiedenste Rollen – nicht nur im Fasching. Sie sagen: "Jetzt bin ich die Mama und du das Kind!" Sie laufen in den Schuhen von Mama oder Papa durch die Wohnung. Sie spielen mit der Computertasche, in die Arbeit zu gehen. Sie spielen Schule. Sie machen aus einem Badetuch einen Umhang für den starken Ritter. Sie bauen ein Nest und spielen, ein kleiner Vogel zu sein, der um Futter bettelt.

Samuel spielt nachmittags mit seinem Freund Räuber und Gendarm. Der Räuber mit dem Beuterucksack wird vom Gendarmen mit der aus Holzbausteinen zusammengebauten Pistole verfolgt und gefangen genommen. Im Freien spielen die Kinder am liebsten Spiele, in denen die Guten die Bösen besiegen müssen.

Perspektiven wechseln

Verschiedenste Tiere, Berufe, Menschen aus dem Umfeld oder Fantasiegestalten aus Büchern, Märchen, Serien oder Filmen dienen als Rollenvorbilder, die von den Kindern nachgeahmt werden. Es ist ein spielerisches Erproben und Erforschen von unterschiedlichen Verhaltensweisen. Verwandelt sich das Kind im Spiel in einen Elefanten, dann muss es trampeln und trompeten, ist es eine Prinzessin, dann möchte es bedient werden und muss Hof halten, ist es eine Superheldin, dann muss es Superkräfte einsetzen und die Welt retten.

Mit dem "So-tun-als-ob" übernehmen Kinder andere Rollen, versetzen sich jedes Mal in jemanden anderen hinein und probieren aus, als dieser zu handeln. Sie beginnen die Gedanken und Gefühle eines anderen nachzuvollziehen. Sie verändern dabei ihre Perspektiven und ihre sehr ichbezogene Sicht der Dinge.

Schüchterne Superhelden

Kinder können dabei ihre sozialen Kompetenzen stärken und alle ihre Fertigkeiten verbessern. Sie verarbeiten im Rollenspiel ihre Erfahrungen und ihre Erlebnisse. Wenn man ihnen beim Spielen zuschaut, hat man gute Chancen dahinterzukommen, was sie gerade beschäftigt, was sich in der Schule, im Kindergarten oder anderswo tut und wovon der Nachwuchs nichts erzählt.

Kinder, die verschiedenste Rollen ausprobieren dürfen und die Möglichkeit haben, in andere Rollen zu schlüpfen, werden selbstbewusster und stärker. Oft wollen gerade die Schüchternen oder Ängstlichen im Rollenspiel stark, mächtig und Superhelden sein. Sie können in der Verkleidung zu dem werden, wovor sie Angst haben.

Auch Jugendliche probieren gern neue Rollen aus. Die meisten verkleiden sich aber nicht mehr deutlich sichtbar, sie ändern immer wieder ihren Kleidungsstil und identifizieren sich mit den unterschiedlichsten Vorbildern. So lange, bis sie selbstsicherer sind.

Zeichen für Stärke und Macht

Wenn ein Kind ein Kostüm anhat, dann kann es durchaus auch mal Dinge tun, die es sonst nicht darf oder sich nicht traut. Die Prinzessin kann ihre "Dienerin" Mama herumkommandieren oder der Ritter kann gegen den "bösen" Papa kämpfen. In der Verkleidung ist das lustvoll und wird auch von den Erwachsenen zumeist als Spiel aufgefasst.

Ob für eine Verkleidung Waffen notwendig sind, ist ein vieldiskutiertes Thema. Ein Ritter braucht ein Schwert, der Polizist eine Pistole, der Indianer Pfeil und Bogen, der Jedi-Ritter oder Darth Vader das Laserschwert. Die Fee und die Hexe brauchen einen Zauberstab. Waffen sind Teile der Verkleidungen und Zeichen für Stärke und Macht. Genau darum geht es vielen Kindern: sich einmal stark und mächtig fühlen zu können. Prinzipiell müssen Eltern und Bezugspersonen für sich entscheiden, ob es für die Kinder notwendig ist, zum gewählten Kostüm auch eine Waffe zu haben.

Ihre Erfahrungen?

Fasching ist die Zeit, in der es erlaubt ist, sich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. In welche Rollen schlüpfen Sie und Ihre Kinder? Wie gestalten Sie die Faschingszeit? Posten Sie Ihre Fragen und Ideen. (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 29.1.2016)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

  • So tun, als ob: Ob im Fasching oder während des Jahres, Kinder versetzen sich gern in andere Rollen.
    foto: istockphoto.com/cyano66

    So tun, als ob: Ob im Fasching oder während des Jahres, Kinder versetzen sich gern in andere Rollen.

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