Prozess um Schlägerei: Furien in der Pizzeria Aladdin

29. Jänner 2016, 07:00
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Eine 26-Jährige soll eine Kontrahentin schwer verprügelt haben. Der Streit dreht sich um einen Mann, sie gesteht nur eine Kratzspur zu

Wien – Dass die Konversationen zwischen Monique Jaqueline K. und Anna R. nicht wirklich ladylike abliefen, steht außer Diskussion. "Sie hat mich dauernd beschimpft. Als 'Hur' und 'Schlampen'. Ein Jahr lang!", erklärt Angeklagte K. Richterin Olivia-Nina Frigo das Verhältnis der beiden Frauen.

Ein Verhältnis, das Mitte Oktober dazu geführt haben soll, dass R. mit angeknacksten Rippen, einem Cut über dem Auge und Kratzspuren im Gesicht ins Krankenhaus gekommen ist. Die Staatsanwaltschaft wirft der 26-Jährigen nämlich vor, im Zuge eines Streits R. diese Verletzungen zugefügt zu haben.

Die ohne Verteidigerin erschienene junge Frau bekennt sich nicht schuldig. "Ich habe sie nur gekratzt. Sie hat herumgefuchtelt, da war das ein Reflex", verantwortet sie sich.

Frigo muss sich zunächst ein wenig bemühen, mehr über das definitiv nicht amikale Verhältnis des Duos zu erfahren. "Ich weiß nicht, warum sie ständig so schimpft", sagt die Angeklagte zunächst. Und gleich darauf: "Ich bin mit ihrem Ex-Partner zusammen." – "Vielleicht ist das das Motiv?", folgert die Richterin durchaus logisch.

Streit über gemeinsamen Sohn

Am fraglichen Abend sei es jedenfalls wieder zu einem Anruf der betrunkenen R. bei ihrem ehemaligen Freund gekommen. Es ging um den gemeinsamen Sohn, die üblichen Beschimpfungen gegen die Angeklagte seien lautstarker Teil des Gesprächs gewesen.

"Wir haben gewusst, dass sie bei einer Geburtstagsfeier in der Pizzeria Aladdin ist", schildert K. weiter. Wo man ein persönliches Gespräch suchen wollte, also fuhren Angeklagte, ihr Freund, ihre Mutter und ihr Bruder dorthin.

"Und, haben Sie sie zur Rede gestellt?", interessiert Frigo. "Wie denn, wenn sie ständig schimpft?", hört sie als Gegenfrage. Ja, es sei zu einer Konfrontation gekommen, bei der der unabsichtliche Kratzer passiert sei. Sonst nichts. Als man vom Wirt vor die Tür gebeten wurde, habe man dort noch kurz gewartet und sei dann gefahren.

Angeklagte will Opfer anzeigen

Dass die Verletzte und deren Freundin sagen, sie hätte zugetreten und -geschlagen, kann sich die Angeklagte nur als Verleumdung erklären. "Da möchte ich Anzeige erstatten!", deponiert sie. "Ja, nach dem Prozess", rät Frigo zur Ruhe. Die K. auch fragt, woher wohl die Verletzungen stammen. "Wos frogn S' mi des?", stellt die 26-Jährige neuerlich eine Gegenfrage.

Warum selbst ihre Mutter behauptet, einen ersten Angriff der Tochter gesehen zu haben, kann sie sich ebenso wenig erklären.

Das Opfer wiederum gesteht zu, dass es telefonisch einen Streit gegeben habe. Dennoch sei sie überrascht gewesen, als die Gruppe plötzlich im Lokal gestanden sei. R. behauptet allerdings, die Mutter der Angeklagten habe sie gefragt, was ihr Problem sei.

Im Vorraum sei es dann zu der Auseinandersetzung gekommen, K. habe ihr das Knie gegen das Brustbein gerammt, was bei Trainierten möglich ist. Auch einen Faustschlag habe sie bekommen. Am nächsten Tag habe sie die Sache angezeigt, wegen der angeknacksten Rippen sechs Wochen Schluckbeschwerden gehabt.

Doch Wunsch nach Schmerzensgeld

"Wollen Sie sich als Privatbeteiligte anschließen und Schmerzensgeld fordern?", fragt sie die Richterin. "Mir geht es eigentlich nicht ums Geld", sagt die Zeugin zunächst, um schließlich doch 1.000 Euro zu fordern – was die Angeklagte kurz auflachend ablehnt.

R.s Freundin schildert, die beiden seien "wie Furien gewesen". Beim Versuch, die Streithennen zu trennen, habe sie im Tumult selbst zahlreiche blauen Flecken abbekommen.

Das Zentrum des Streits, Michael S., wiederum betätigt die Vorgeschichte, wie sie von der Angeklagten, seiner Freundin, erzählt wurde. Vom Streit in der Pizzeria habe er nichts gesehen. Denn: Als er das Lokal betreten hat, begann seine Ex-Partnerin schon zu schreien. "Ich krieg da einen eigenen Gemütszustand, wenn Frau R. schreit. Da dreht es mir den Magen um und ich muss gehen", erklärt er, warum er vor der Tür gewartet hat.

Frigo vertagt zur Ladung weiterer Zeugen. (Michael Möseneder, 29.1.2016)

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