Der unendliche Rechtsstreit zwischen dem Jäger und dem Tierschützer

31. Jänner 2016, 12:00
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Seit 2014 zieht sich der Konflikt zwischen Martin Balluch und Alfons Mensdorff-Pouilly. Eine Geschichte mit Anzeigen, Strafverfügungen und polizeilichen Sperrzonen

"Ja, Anzeigen gibt es, und wie es die gibt": So kommentiert die Staatsanwaltschaft Eisenstadt die Frage nach Klagen von Tierschützer Martin Balluch gegen den Jäger und Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly. Genauere Angaben kann die Behörde zwar nicht machen, fest steht aber, dass der Rechtsstreit zunehmend eskaliert.

Luisinger Gatterjagd

Im Vordergrund des Konflikts stehen Jagdgatter, die im Besitz Mensdorff-Pouillys im Burgenland sind. Dort betreibt der Großgrundbesitzer regelmäßig Gatterjagden, auf einem eingezäunten Gebiet werden also Tiere gejagt. Tiere, die in erster Linie gezüchtet sind und dann innerhalb des Gatters angesiedelt werden. Weil sie aber während der Jagd Todesangst leiden, werden ihnen, so argumentiert der Tierschützer, unnötige Qualen zugefügt. Damit sei der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt und die Sache somit ein Fall fürs Gericht.

Gemeinsam mit anderen Tierschützern versucht Balluch das Geschehen innerhalb der Gatter mit Fotos und Videos zu dokumentieren und so seine Vorwürfe zu untermauern. Gegen Mensdorff-Puilly läuft nun jedenfalls ein Ermittlungsverfahren wegen Tierquälerei, wie die Staatsanwaltschaft in Eisenstadt bestätigt. Zudem erhebt Balluch den Vorwurf der organisierten Schwarzarbeit. Mensdorff-Pouilly würde ungarische Treiber anstellen, diese aber schlecht und schwarz bezahlen.

Während noch unklar ist, ob der Jäger deswegen vor Gericht muss, musste Balluch dort schon erscheinen. Denn durch die Anwesenheit der Tierschützer bei der Gatterjagd fühlt sich Mensdorff-Pouilly in seinem Besitz gestört. Das Betreten seiner Gründe habe, so die Klage von Mensdorff-Pouilly, "existenzbedrohende Ausmaße angenommen". Am Dienstag fand der erste Prozesstag am Bezirksgericht Güssing statt, für 24. Februar sind sieben Zeugen geladen.

Sperrzone Jagdgebiet

Bereits vor dieser Klage hatte die Polizei im November jenes Gatter, das Mensdorff-Pouilly im südburgenländischen Luising besitzt, und die umliegenden Grundstücke zur Sperrzone erklärt. Die Tierschützer hatten so keinen Zutritt mehr und konnten die Vorgänge während der Jagd nicht dokumentieren. Die Behörden rechtfertigten das Vorgehen damit, dass sich die Tierschützer durch die Nähe zu einem Jagdgebiet selbst gefährden würden und es außerdem in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Jagdgegnern und Jägern gekommen sei.

Für Balluch allerdings sind die Sperrzonen verfassungswidrig, da sie eigentlich nur dann auszusprechen seien, wenn anzunehmen ist, dass Gefahr für Leben und Gesundheit mehrerer Menschen, Eigentum oder Umwelt droht. Im Jänner hat er eine Beschwerde vor das Verfassungsgericht gebracht, um die Rechtmäßigkeit der Sperrzonen überprüfen zu lassen.

Beschäftigtes Höchstgericht

Erfolg hatte Balluch bereits einmal im Konflikt mit Mensdorff-Pouilly. Im Dezember 2014 zeigte der Tierschützer den Waffenlobyisten an, da dessen Fasanzucht laut Balluch mehrere Mängel aufwies. Mensdorff-Pouilly musste damals zahlen.

Während sich der Rechtsstreit ins dritte Jahr zieht, will die burgenländische Landesregierung das Jagdgesetz, das Ländersache ist, umfassend reformieren. "Es gibt den großen Wunsch der Bevölkerung, da etwas zu ändern", heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Verena Dunst (SPÖ). "Die Interessenvertretungen sind herzlich eingeladen, an der Erarbeitung des Gesetzes mitzuarbeiten." Das weiß auch Martin Balluch. Er hat vier Gutachten mit dem Ziel in Auftrag geben lassen, dass die Gatterjagd verboten wird. (mor, 30.1.2016)

  • Alfons Mensdorff-Pouilly wird von Tierschützern öfter fotografiert, als ihm lieb ist.
    foto: verein gegen tierfabriken

    Alfons Mensdorff-Pouilly wird von Tierschützern öfter fotografiert, als ihm lieb ist.

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