Skiunfälle: Krankenhaus statt Après-Ski

29. Jänner 2016, 08:00
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Die Zahl der Pistenunfälle geht Jahr für Jahr zurück. Gute Ausrüstung lässt manche Skifahrer aber schnell übermütig werden. Was Wintersportler beachten sollten

Auch wenn das Wetter es nicht vermuten lässt: Die Semesterferien stehen bevor. Viele Österreicher sind bereits unterwegs in die Skigebiete. Um zu vermeiden, dass der Tag auf der Piste im Krankenhaus endet, sollten sich Wintersportbegeisterte an die Pistenregeln halten und ausreichend auf den Skiurlaub vorbereiten.

Laut Rotem Kreuz sind in der Saison 2014/2015 16 Menschen auf österreichischen Skipisten tödlich verunglückt, im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es sogar 29. Insgesamt mussten in der vergangenen Saison 46.000 Wintersportler in Krankenhäusern behandelt werden.

Dabei kommt es laut Unfallchirurg Manfred Mittermair vom Krankenhaus Schwarzach vor allem zu Bandverletzungen im Knie und Brüchen in der Schulter und im Oberschenkel. Ursachen von Verletzungen und Unfällen sind Kollisionen, selbstverschuldete Stürze, zu harte Pisten oder zu hohe Geschwindigkeit – jeder fünfte Pistensportler erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 80 km/h.

"Die gute Ausrüstung führt heute dazu, dass sich Skifahrer schneller sicher fühlen. Leider beherrschen aber viele ihr Gerät nicht so wie sie denken", so Mittermair. Gefährlich sind laut Rotem Kreuz auch zu wenig Übung, schwierige Wetterverhältnisse und die Kombination verschiedener Kunstpisten.

Zu Fuß zur Piste war gestern

Sportmediziner Mittermair – früher selbst Skilehrer – vermutet, dass sich manche Skifahrer auch zu wenig aufwärmen. "Früher musste man um zum Skilift zu kommen schon einige Meter zu Fuß zurücklegen, heute wird man mit Bussen oder sogar Rolltreppen transportiert", sagt Mittermair. Wer generell in einer guten körperlichen Verfassung sei und regelmäßig trainiere, müsse sich nicht extra aufs Skifahren vorbereiten.

Auch medial, so Mittermair, habe sich das Bewusstsein für mehr Sport und einen gesunden Lebenswandel in den letzten Jahren positiv verändert. Das wirke sich auch auf die Unfallstatistik aus. "Wenn man vergleicht wie viele Menschen auf österreichischen Pisten unterwegs sind, passiert eigentlich relativ wenig", so Mittermair. Und die Statistik gibt ihm Recht. In der Saison 2014/2015 gab es laut Alpindienst 1.882 Unfälle, im Vergleichszeitraum davor waren es noch 2.389.

Um auch diese Zahlen noch zu reduzieren, sollten während des Skifahrens regelmäßige Pausen eingelegt werden. "Der erste Schub an Verletzten kommt am späten Vormittag zu uns, der zweite am späten Nachmittag", erzählt Mittermair, "gerade dann lassen Kraft und Konzentration bei den Sportlern nach". Durch den Fahrtwind und weil sie dick eingepackt sind, würden viele Skifahrer nicht merken, dass sie stark schwitzen und viel Flüssigkeit verlieren. "Deshalb sollten Skifahrer ausreichend trinken – und zwar keinen Alkohol, sondern elektrolytreiche Getränke wie zum Beispiel Apfelsaft gespritzt."

Problem Selbstüberschätzung

Laut Wolfgang Schreiber, dem Chefarzt des Roten Kreuzes, ist vor allem Leichtsinn ein großer Risikofaktor: "Die Skifahrer sind immer schneller unterwegs und auch Alkohol spielt leider oftmals eine Rolle". Junge Männer überschätzen sich laut Statistik häufig, bei den Frauen sind oft jene gefährdet, die nach einer längeren Kinderpause wieder mit dem Skifahren beginnen, wenig Übung haben und mit altem Material unterwegs sind.

Einen Helm empfiehlt Unfallmediziner Mittermair jedem Wintersportler. Von zu vielen Protektoren rät der Experte ab: Weil sie unbeweglich machen, zu einem fehlgedeuteten Sicherheitsgefühl – und dadurch zu Übermut – führen können. "Der beste Protektor ist der eigene Körper, wenn er gut auf den Wintersport vorbereitet ist", so Mittermair.

Der Internationale Ski-Verband (FIS) und das Kuratorium für Verkehrssicherheit empfehlen folgende Verhaltensregeln und Tipps für Wintersportler:

  • Trockentraining bei Anfängern
  • Skier und Snowboards vom Experten überprüfen lassen
  • Erste-Hilfe-Wissen auffrischen
  • Lawinenlagebericht einholen
  • Helm tragen
  • Aufwärmen vor dem Skitag
  • Regelmäßige Pausen
  • Rücksichtsvolles Fahren
  • Auf Sicht fahren
  • Bergab hat Vorfahrt
  • Anhalten nur am Pistenrand
  • Kein Alkohol auf der Skipiste
  • Hilfe leisten

Wer auf der Piste als Ersthelfer zum Unfallort kommt, muss zuerst sich selbst und das Unfallopfer absichern und dann Erste Hilfe leisten. "Und wenn es nur der Notruf ist", sagt Mittermair. (bere, 29.1.2016)

  • Aufwärmen, regelmäßige Pausen, rücksichtsvolles Fahren und genügend Flüssigkeit sind das Rezept für unfallfreie Skitage.
    foto: lech zürs tourismus

    Aufwärmen, regelmäßige Pausen, rücksichtsvolles Fahren und genügend Flüssigkeit sind das Rezept für unfallfreie Skitage.

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