Zika-Virus in Brasilien: Schon 68 Babys gestorben

28. Jänner 2016, 06:20
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Zehntausende Soldaten sollen Moskitos bekämpfen, die den Virus übertragen

Rio de Janeiro – Das brasilianische Militär will mit einer Großoffensive die Moskitoart Aedes aegypti bekämpfen, die den sich rasant ausbreitenden Zika-Virus überträgt. "Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln", sagte Verteidigungsminister Aldo Rebelo am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms. Seit vergangenem Jahr wurden in Brasilien 4.180 Fälle von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) festgestellt, 68 Babys starben bisher.

In 356 Städten und Gemeinden sowie tausenden Schulen soll über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160.000 Soldaten, 30.000 Mitglieder der Marine und 30.000 Militärs der Luftwaffe sollen eingesetzt werden. In Brasilien gibt es mehr als eine halbe Millionen Infektionen mit dem Virus, der im Verdacht steht, bei der Infizierung Schwangerer schwere Fehlbildungen bei deren Babys auszulösen. Für die direkte Bekämpfung der Moskitos mit Insektenschutzmitteln sollen rund 50.000 Soldaten eingesetzt werden.

Zwölf Kinder mit Fehlbildungen

Das Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang zu dem zuvor kaum bekannten, ursprünglich aus Afrika stammenden Zika-Virus, der sich schon in mehr als 20 amerikanischen Ländern verbreitet hat. In Brasilien gibt es bereits zwölf Fälle von Kindern mit Schädelfehlbildungen, deren Mütter sich zuvor mit Zika infiziert hatten. Mikrozephalie führt meist wegen eines zu kleinen Gehirns zu geistiger Behinderung. Vor der starken Ausbreitung galt der Zika-Virus als eher harmlos – Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen.

Auch aus Nicaragua wurden nun die ersten zwei Zika-Fälle gemeldet, auch mehrere aus Lateinamerika zurückgekehrte deutsche Touristen haben sich infiziert. Bisher gibt es keinen Impfstoff, es herrscht viel Unklarheit. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff kündigte für Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbunds Mercosur an. Vor dem nächste Woche beginnenden Karneval sollen auch in der Hauptveranstaltungsstätte, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, die Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht. Bei dem Karneval werden bis zu eine Million Menschen erwartet.

Der Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas festgestellt. Er tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien. Erst seit vergangenem Jahr gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien begann und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft. Auch aus europäischen Ländern wurden zuletzt Fälle gemeldet, Österreich ist bisher nicht betroffen. In Deutschland wurde laut Robert-Koch-Institut als Erstes bei zwei Rückkehrern von einer Haiti-Reise eine Infektion diagnostiziert. (APA, 28.1.2016)

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