"Arabella": Liebe auf dem Faschingsball

27. Jänner 2016, 18:22
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Mit Anja Harteros an der Wiener Staatsoper

Wien – Wenn die kalendarisch angeordnete Lustigkeitsphase Fasching ihrem Ende entgegentorkelt, dann ist Arabella-Zeit. Just im kollektiven Bahöl eines Faschingsballs (um 1860) findet da eine verarmte höhere Tochter zu der begüterten Liebe ihres Lebens – natürlich erst, nachdem sie vom Librettisten Hugo von Hofmannsthal durch einige emotionale Turbulenzen manövriert wurde.

Anja Harteros feierte am Dienstagabend ihr spätes Hausdebüt in dieser Partie. Im vergangenen Dezember hatte die 43-Jährige als Fürstin Werdenberg in Strauss' Rosenkavalier mit Lebensweisheiten gerührt, nun schien auch ihre Interpretation der jungen Arabella von einer zarten Marschallinnenmelancholie umflort. Passend dazu zeigte sich Harteros' wundervoller Sopran im Piano und in den höheren Lagen etwas staubig-patiniert, was dessen Wirkungskraft aber kaum minderte.

Wie schon beim Rosenkavalier hielt die Starsopranistin im ersten Akt mit ihren vokalen Mitteln haus und begnügte sich mit einer semiprivaten Klavierprobenintensität, in den beiden Folgeakten hörte man sie dann öfter. Tomasz Konieczny, vor einer guten Woche an selber Stelle als Wotan eine Macht, mühte sich als Arabellas Anbeter Mandryka sichtlich um Lebendigkeit, bot mit seinem gedeckten, edlen Bariton à la longue aber etwas wenig Farbwechsel.

Die quirlig-intensive Zdenka Ileana Toncas, der durchwachsene Matteo Michael Schades, der routinierte Graf Waldner von Wolfgang Bankl und die makellose Fiakermilli von Hila Fahima trugen das Ihre zum allgemeinen Trubel bei. Hervorragend harmonierten Adelaide (Carole Wilson) und die Kartenaufschlägerin (Donna Ellen) mit ihrem schneidenden Ton gleich zu Beginn.

Alles ist im Fluss beim vergangenheitsseligen, fast autoepigonal wirkenden Letztling des Power- Couple Strauss/Hofmannsthal, quecksilbrig schillernd sprudelt, wurlt und zwitschert es aus dem Orchestergraben. Da kann man sich als Musiker kaum je ausruhen – was das hochkonzentrierte Staatsopernorchester auch nicht tat. Der im Haus am Ring in Sachen Strauss und Mozart vielbeschäftige Cornelius Meister schlug (sich) auch bei diesem heiklen Werk hervorragend und war ein kundiger Lenker auf dieser turbulent-sentimentalen spätromantischen Komödienfahrt der hundert Tempowechsel. Bravi für alle. (end, 27.1.2016)

Wiener Staatsoper, nächste Termine: 29.1., 1.2.

  • Sopranistin Anja Harteros  singt die Titelpartie der Arabella.
    foto: wiener staatsoper / michael pöhn

    Sopranistin Anja Harteros singt die Titelpartie der Arabella.


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