Ischgler Seilbahn fährt auf nordkoreanischen Gipfel

27. Jänner 2016, 18:22
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Bahnbetreiber verkaufte Anlage an Zwischenhändler, der sie laut Eigenaussage nach China verschiffte – Direktexport wäre Verstoß gegen UN-Sanktionen

Wien – 14 Jahre lang brachte die Pardatschgratbahn Wintersportler auf die Pisten des Tiroler Schigebiets Ischgl, jetzt verkehren die gebrauchten Gondeln im nordkoreanischen Resort Masikryong. Dem englischsprachigen Nachrichtenportal nknews.org liegen Fotos vor, die die Gondeln auf ihrem Weg zum Taehwa-Gipfel im Kangwon-Distrikt im Süden des Landes zeigen.

2014 legte die Silvrettaseilbahn AG die Pardatschgratbahn still, weil sie "die Funktion als wesentliche Zubringeranlage in das Schigebiet nicht mehr ausreichend erfüllen" konnte. Während in Ischgl um 35 Millionen Euro ein neues Seilbahnsystem installiert wurde, habe man das komplette alte System an den Vorarlberger Industriehändler Müller & Stark verkauft, sagt Silvrettaseilbahn-Geschäftsführer Hannes Parth auf Nachfrage des STANDARD.

Nordkorea-Sanktionen setzen Export unter Strafe

Brisanz birgt die Transaktion, weil Sanktionen der Vereinten Nationen Exporte von Luxusprodukten, zu denen auch Sport- und Freizeit-Infrastruktur zählt, nach Nordkorea verbieten. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verhinderte 2013 ein ähnliches Geschäft eines dortigen Liftproduzenten aus diesem Grund. Der Verkauf hätte dem Regime in Pjöngjang zur Errichtung eines "prestigeträchtigen Propagandaprojekts" verholfen, sagte ein Seco-Sprecher damals. Es sei undenkbar, dass das Masikryong-Resort, das 2013 in nur zehn Monaten von Soldaten der Koreanischen Volksarmee errichtet wurde, dem Volk zugänglich werde.

Im aktuellen Fall sei Parth nur das Vorhaben des neuen Besitzers bekannt gewesen, die Seilbahn nach China zu veräußern. Ob es eine oder mehrere Zwischenstationen auf dem Weg nach Nordkorea gegeben hat, sei ihm nicht bekannt. Müller & Stark-Geschäftsführer Mario Müller wollte zu der Sache keine Stellung nehmen; eine Sprecherin bestätigte die Verschiffung nach China, man "distanziere sich aber ganz stark von Vorwürfen", vom Weiterverkauf nach Nordkorea gewusst zu haben.

Bei dem betroffenen Seilbahnsystem handelt es sich um eine Bahn der Art "4-MGD" des österreichischen Herstellers Doppelmayr, die in Ischgl eine Höhendifferenz von 527 Meter überwand. (Michael Matzenberger, 27.1.2016)

  • Das Hotel und ein Sessellift des Masikryong-Schiresorts in Nordkorea auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2014. Vor kurzem wurde dort ein gebrauchtes österreichisches Gondelsystem installiert.
    foto: bjørn christian tørrissen (wikimedia, cc by-sa 3.0)

    Das Hotel und ein Sessellift des Masikryong-Schiresorts in Nordkorea auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2014. Vor kurzem wurde dort ein gebrauchtes österreichisches Gondelsystem installiert.

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