Zinstief sorgt für Flaute bei Wohnbauanleihen

28. Jänner 2016, 12:46
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Wohnbaubanken verzeichneten 2015 mit rund 320 Millionen Euro ein deutlich geringeres Emissionsvolumen als in den Vorjahren

Wohnbauanleihen waren im Vorjahr für Anleger weitaus weniger attraktiv als in den Jahren davor: Bei der s Wohnbaubank, die zu den größten heimischen Emittenten zählt, schätzt man das kumulierte Emissionsvolumen der sechs heimischen Wohnbaubanken im Vorjahr auf rund 320 Millionen Euro. Etwa ein Viertel davon, 81,8 Millionen Euro, konnte die s Wohnbaubank verzeichnen.

Geschäftsführer Ernst Karner hatte zwar schon im Lauf des Jahres mit einem starken Einbruch auf 100 Millionen Euro gerechnet – dass es letztendlich noch weniger wurde, überraschte aber dann doch; auch deshalb, weil man bereits 2014 trotz des damals schon bestehenden Niedrigzinsumfeldes mit 212,5 Millionen Euro den Wert von 2013 (216 Millionen) halten konnte.

Im Herbst 2015 lag man aber erst bei etwa zehn bis 15 Millionen Euro, so Karner. Erst durch die Auflage der "KMU s Wohnbauanleihe" konnte noch ein halbwegs akzeptables Ergebnis eingefahren werden. Diese Wohnbauanleihe richtet sich vor allem an Selbstständige, die damit den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag ausnützen können. Auch andere Institute brachten ganz ähnliche Produkte auf den Markt.

Jahresbeginn lässt hoffen

Die Laufzeit dieser Anleihe beträgt zehn Jahre. Die Verzinsung beginnt bei 0,40 Prozent und steigt nach vier Jahren auf 1,40 Prozent. Anleihen mit einer derart langen Laufzeit will derzeit aber kaum jemand zeichnen, "weil die Zinsen ja bald steigen könnten", so Karner. Dennoch hält er für heuer wieder eine Steigerung auf mehr als 100 Millionen Euro an Emissionsvolumen für möglich, "das wird bei diesem Zinsniveau aber sehr schwer".

Immerhin habe sich zu Jahresbeginn die Absatzsituation bereits verbessert, in den ersten drei Wochen 2016 seien zehn Millionen Euro abgesetzt worden. Auch das hänge mit dem niedrigen Zinsniveau zusammen, glaubt Karner – und mit der Aussicht, dass die Zinsen auch weiterhin unten bleiben werden. "Schön langsam gewöhnen sich die Menschen an die niedrigen Sparzinsen, und damit steigt auch wieder das Interesse an Wohnbauanleihen." Der gesamte Ausleihungsbestand betrug bei der s Wohnbaubank Ende Dezember 1,8 Milliarden Euro, ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Jahresende 2014.

Geld für Mietwohnungen

Das Geld, das über diese Anleihen hereinfließt, wird laut Schmidinger "zu hundert Prozent" in freifinanzierte Mietwohnungen investiert. Die jüngsten beiden Wohnbauvorhaben, die so finanziert wurden, stammen von der gemeinsam mit dem Siedlungswerk (ÖSW) gegründeten Tochter Erste ÖSW und befinden sich in der Brünner Straße und der Bessemerstraße, beide in Wien-Floridsdorf gelegen. Laut Karners Vorstandskollegen Schmidinger wurde dabei darauf geachtet, die Wohnungen möglichst günstig zu machen, "denn der Wohnungsmarkt macht derzeit nicht das, was wir erwarten". Gerade im Bereich bis 600 Euro Bruttomiete gäbe es de facto "kein Angebot".

In den beiden Häusern mit insgesamt 89 Wohneinheiten habe man aber Bruttomieten von neun Euro pro Quadratmeter geschafft, was eine monatliche Belastung von 540 Euro für eine 60-m²-Wohnung bedeute. Die Baukosten lagen bei etwa 1.700 Euro je Quadratmeter. Gebaut wurde streng nach Bauordnung, ohne Wohnbauförderung. Damit gewinne man "keinen Architekturpreis", so Schmidinger. "Aber die Wohnungen waren sofort weg." (Martin Putschögl, 28.1.2016)

  • Der Bau dieser Wohnanlage in der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf wurde über Wohnbauanleihen der s Bausparkasse finanziert. Fertigstellung ist im Sommer 2016.
    foto: expressiv.at

    Der Bau dieser Wohnanlage in der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf wurde über Wohnbauanleihen der s Bausparkasse finanziert. Fertigstellung ist im Sommer 2016.

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