Überlebenskünstler im Teufelsloch

27. Jänner 2016, 18:12
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Im Devils Hole im Death Valley lebt nur eine Handvoll Teufelskärpflinge. Warum der Fisch nicht durch Inzucht zugrunde geht, war lange Zeit ein Rätsel

Chapel Hill / Wien – Die Mojave-Wüste im Westen Nordamerikas zählt zu den heißesten, trockensten Gebieten der Erde. In den Monaten Juli bis August herrschen hier Durchschnittstemperaturen von über 45 Grad Celsius. An einem solchen Ort würde man eher nicht damit rechnen, Fische anzutreffen – und doch erfreut sich am Rande des Death Valley National Parks in einer mit Wasser gefüllten Kluft eine kleine Population von Wüstenkärpflingen ihres Daseins.

Als Oase darf man sich das Devils Hole rund 35 Kilometer nordwestlich von Pahrump, Nevada, allerdings nicht vorstellen: Der nur wenige Zentimeter große bläuliche Teufelskärpfling (Cyprinodon diabolis) bekommt mehrere Monate im Jahr kein direktes Sonnenlicht zu sehen und muss es bei einer fast durchgehend konstanten Wassertemperatur von 32 Grad Celsius aushalten – Bedingungen, unter denen andere Fischarten kaum einen Tag überleben würden.

Kein Wunder also, dass die Spezies fortwährend um die Existenz kämpft: 2013 war die Population auf einen Minimalbestand von nur 35 Exemplaren geschrumpft. Wie die Art bei einem so geringen Genpool überhaupt überleben konnte, war lange Zeit ein Rätsel, für das nun Christopher Martin und seine Kollegen von der University of North Carolina in Chapel Hill eine Lösung gefunden haben könnten.

Bislang gingen Biologen davon aus, dass der Teufelskärpfling vor 10.000 bis 20.000 Jahren den Weg in das mindestens 90 Meter tiefe Loch gefunden hatte und seit den letzten großen Überflutungen des ausgehenden Pleistozän in der Höhle isoliert ist.

Reisende zwischen den Quellen

Die nun in den "Proceedings of the Royal Society B" vorgestellte DNA-Analyse erzählt allerdings eine ganz andere Geschichte: Die Ergebnisse zeigen, dass der Teufelskärpfling offenbar erst seit wenigen hundert bis höchstens tausend Jahren in dem Wüstenloch lebt. Außerdem muss es immer wieder einen genetischen Austausch mit benachbarten Populationen gegeben haben.

"Das war eine ziemlich große Überraschung für uns", meint Martin. "Es sieht so aus, als wären alle paar hundert Jahre ein paar Fische von einer zur nächsten Wüstenquelle gewechselt – entweder im Zuge heftiger Regenfälle oder als Eistadium an den Beinen von Vögeln." Diese genetische Bereicherung könnte erklären, warum der Teufelskärpfling nicht an den Folgen von Inzucht ausgestorben ist. Dass sich die Fische gegenüber nahen Verwandten so rasant anpassen konnten, spricht darüber hinaus dafür, dass ihre Evolution wesentlich schneller ablief als bislang angenommen. (Thomas Bergmayr, 27.1.2016)

  • In seinem über 30 Grad Celsius warmen Wüstenloch lebt der kleine Teufelskärpfling hauptsächlich von Kieselalgen.
    foto: olin feuerbacher/usdi

    In seinem über 30 Grad Celsius warmen Wüstenloch lebt der kleine Teufelskärpfling hauptsächlich von Kieselalgen.

  • Über 90 Meter ist das Devils Hole tief. Die warme Quelle in der Mojave-Wüste beherbergt mit dem Teufelskärpfling eines der seltensten Wirbeltiere auf dem Planeten.
    foto: brett seymour, usdi

    Über 90 Meter ist das Devils Hole tief. Die warme Quelle in der Mojave-Wüste beherbergt mit dem Teufelskärpfling eines der seltensten Wirbeltiere auf dem Planeten.

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