Assekuranzen: Eine Wette gegen Wind und Wetter

28. Jänner 2016, 14:12
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Wetterkatastrophen, Hurrikans und Erdbeben verursachen weltweit hohe Schäden. Assekuranzen geben zur Absicherung dieser Risiken gerne Cat-Bonds aus

Wien – Während man hierzulande auf den Schnee weitgehend warten muss, ist die US-Ostküste in den vergangenen Tagen in der weißen Pracht regelrecht versunken, der Notstand wurde ausgerufen. Selbst Todesopfer hat die Wetterkatastrophe gefordert. Auch Ostasien kämpft derzeit mit dem Wetter, teilweise werden so niedrige Temperaturen gemessen, dass die längjährigen Kälterekorde unterboten werden. Auf der Insel Taiwan herrscht normalerweise subtropisches Klima – jetzt gibt es Minusgrade, Ernteausfälle drohen. All das verursacht auch Schäden an Häusern, Straßen und Infrastruktur – das ganze Ausmaß zeigt sich aber erst, wenn der Schnee geschmolzen ist. Dann sind die Versicherungen gefragt.

Weltweit betrug der 2015 durch Naturkatastrophen verursachte finanzielle Schaden laut Münchener Rück 90 Milliarden US-Dollar. Für 27 Mrd. Dollar mussten Versicherer geradestehen.

Absicherung mit Cat-Bonds

Um die finanzielle Last zu stemmen, sichern sich Versicherungen und Rückversicherer immer öfter mit Cat-Bonds ab. Die Idee hinter diesen Katastrophenanleihen funktioniert so: Um das Risiko zu streuen, werden Katastrophenanleihen ("catastrophe bonds", Cat-Bonds) emittiert. Die Investoren wetten damit auf das Nichteintreffen eines bestimmten – vorher definierten – Ereignisses.

Kauft man also einen Cat-Bond, der etwa für einen Hurrikan einer bestimmten Stärke einer vorher definierten US-Stadt ausgegeben wurde, gibt es für den Investor zwei Szenarien. Tobt der Hurrikan über die Stadt und richtet Schäden an, ist das investierte Kapital weg – das geht dann an die Versicherung, um einen Teil der Schäden abzudecken. Dreht der Hurrikan ab und bleibt die Katastrophe aus, bekommt der Investor sein Geld zurück. Anders als Unternehmens- oder Staatsanleihen hängt die Zins- und Rückzahlung der Anleihe also nicht von der Bonität des Gläubigers ab, sondern vom Eintritt bzw. Nichteintritt einer oder mehrerer vorab definierter Naturkatastrophen.

Weil das Risiko bei Cat-Bonds sehr hoch ist, ist auch die laufende Zinszahlung höher – und das macht diese Papiere vor allem für institutionelle Investoren reizvoll. Weil Cat-Bonds auch nicht mit dem Preis oder der Entwicklung von Aktien, Rohstoffen oder den Zinsentscheidungen korrelieren, werden sie im Depot oft zur Absicherung eingesetzt.

Rekordvolumen

Das weltweit emittierte Volumen von Cat-Bonds ist im Vorjahr auf 25 Mrd. US-Dollar gestiegen. "Das ist ein neuer Rekord", sagt Harald Steinbichler, Managing Partner von Axessum, das mit dem "Twelve-Falcon Insurance Linked Strategy Fund" und dem "Twelve-Falcon Insurance Linked Opportunities Fund" zwei Cat-Bond-Fonds emittiert hat.

Die Katastrophen-Anleihen decken trotz Rekords aber nur einen kleinen Teil ab. Zur Einordnung: Jährlich werden in den USA rund 4500 Mrd. US-Dollar für Versicherungsprämien ausgegeben – das entspricht ungefähr sieben Prozent des weltweiten BIPs. Gut die Hälfte davon fließt in Lebensversicherungen, der Rest in Schaden-/Unfallversicherungen. 600 Milliarden davon sind Rückversicherungsprämien, und ca. 70 Mrd. US-Dollar fließen in kollateralisierte Rückversicherungen, bei denen Wertpapiere als Sicherheit eingesetzt sind. 25 Mrd. Dollar davon sind Cat-Bonds.

Höhere Zinszahlungen

Die im Vergleich zu anderen Anlagen höheren Zinszahlungen auf Katastrophenpapiere haben die Anlageklasse in den vergangenen Jahren beliebt gemacht. 2001 betrug das Cat-Bond-Volumen noch eine Milliarde US-Dollar, 2008 waren es bereits 17 Mrd. US-Dollar. Dieser Sprung ist laut Steinbichler aber nicht nur auf das gestiegene Interesse von Anlegern zurückzuführen. Auch die neuen Leitlinien für Versicherungen in Solvency II tragen zu dieser Entwicklung bei. So müssen Versicherungen für Geschäfte nun verstärkt Eigenkapital hinterlegen. Vor allem Rückversicherungen müssen mit Eigenkapital abgesichert werden. Für Assekuranzen sind Cat-Bonds daher interessant, weil diese mit Wertpapieren (etwa US-Staatsanleihen) abgesichert werden, was Eigenkapital spart. Hinzu kommen neuen Player am Markt. "Früher haben nur Rückversicherer Cat-Bonds genutzt, jetzt sind auch Erstversicherer in das Thema eingestiegen", erklärt Steinbichler.

Für Privatanleger sind Cat-Bonds oft nur via Fonds zugänglich. Das Universum für Fonds ist aber überschaubar, weltweit notieren derzeit rund 150 Cat-Bonds. "Hurrikans in Amerika und Erdbeben werden derzeit am häufigsten abgesichert", erklärt Steinbichler. Auch Terror wird mit Cat-Bonds versichert – das war etwa bei der Fußball-WM 2006 der Fall und wird als Thema nun wohl wieder öfter vorkommen.

Auch Staaten emittieren

Damit Risiken überhaupt mit Cat-Bonds abgesichert und investierbar werden, braucht es vor Ort eine ordentliche Versicherungswirtschaft. Das erklärt, warum es Cat-Bonds derzeit hauptsächlich auf Risiken in den USA, Europa, Japan, Australien und Neuseeland gibt. Und es erklärt, warum es so viele Katastrophen gibt, die nicht oder nur gering versichert sind – etwa das Erdbeben in Nepal, wo am Ende kein Kapitalmarkt steht, der helfend einspringen kann.

Daher haben neben Versicherungen auch Staaten begonnen, Cat-Bonds aufzulegen, um sich gegen Katastrophen abzusichern. Das ist etwa in Mexiko der Fall, wo sich das Land auf diese Weise schon zweimal gegen Hurrikan-Schäden versichert hat. Chile und die Türkei haben sich auf diese Weise gegen Erdbeben versichert. Auch die Weltbank legte im Juni 2014 mit 13 karibischen Staaten einen Cat-Bond gegen Zyklone und Erdbeben auf. Und die Afrikanische Union hat 2014 einen Cat-Bond aufgelegt, um sich gegen Wetterereignisse zu versichern.

Dass man mit Cat-Bonds auch Geld verlieren kann, haben Investoren zuletzt im März 2011 mit dem Erdbeben in Japan und dem Unglück im Atomkraftwerk Fukushima zu spüren bekommen. (Bettina Pfluger, 28.1.2016)

  • Eine Teeplantage in Taiwan vor wenigen Tagen: Wo im sonst subtropischen Klima Teeblätter auf Sträuchern gedeihen,  erleben viele Kinder nun erstmals Schnee. Die ungewöhnliche Kälte in diesen Breitengraden gefährdet aber die Tee-Ernte.
    foto: ap/wally santana

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