ORF: Zentralbetriebsratswahl ohne bürgerliche Liste

27. Jänner 2016, 14:47
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Rote, Unabhängige und "bunte" Liste der Betriebsratschefinnen von Finanzen und Radio treten an – Geht auch um Generalswahl 2016

Salzburg/Wien – Der langjährige schwarze Betriebsratschef Heinz Fiedler muss das nicht mehr erleben: Wenn am 15. Februar mehr als 100 Betriebsräte des ORF ihren Zentralbetriebsrat wählen, tritt keine bürgerliche an. Gegen Rote und Unabhängige versucht sich nach Eigendefinition eine "bunte" Fraktion.

Bogen um Freundeskreis

Noch bis Donnerstag tagen die ORF-Betriebsräte in Salzburg, Thema der mehrtätigen Konferenz ist die bevorstehende Zentralbetriebsratswahl. Die Betriebsratschefinnen Marianne Schüttner (Kaufmännische Direktion) und Gudrun Stindl (Radio) unterstrichen bei der Konferenz neuerlich, ihre gemeinsame Liste sei nicht bürgerlich und nicht schwarz, sondern "bunt". Und: Sie hätten bisher an keinen Sitzungen des ÖVP-Freundeskreises im Stiftungsrat teilgenommen, sie würden das auch künftig nicht tun.

Stindl saß bisher auf der Liste von Monika Wittmann im Zentralbetriebsrat, betonte aber auch dort ihre Unabhängigkeit und stimmte etwa gegen den jüngsten ORF-Kollektivvertrag 2014; Wittmann war quasi die Nachfolgerin Heinz Fiedlers in der Personalvertretung, wie er in der Generaldirektion angesiedelt. Wittmann tritt nun nicht mehr zur Zentralbetriebsratswahl an.

Fünf Betriebsräte wählen ORF-General

Spannend macht den 15. Februar, dass der Zentralbetriebsrat fünf Vertreter in den Stiftungsrat entsendet, die im August den nächsten ORF-Generaldirektor mitbestimmen. Bisher besetzt die rote Liste von Technik-Betriebsratschef Gerhard Berti dort ebenso zwei Mandate wie die Unabhängigen von Gerhard Moser, zugleich Zentralbetriebsratschef des ORF. Wittmann hatte ein Mandat im Stiftungsrat.

Die ÖVP hat derzeit knapp mehr Mandate im Stiftungsrat als die SPÖ; gewinnen die bisher bürgerlichen, nun bunten Betriebsräte ein Mandat dazu, könnte das zur Motivation von Finanzdirektor Richard Grasl beitragen, gegen ORF-General Alexander Wrabetz anzutreten. Stindl kennt Grasl noch von den gemeinsamen Anfängen im Landesstudio Niederösterreich, als es in St. Pölten nur eine kleine ORF-Expositur gab; Schüttner ist Betriebsratschefin in Grasls Direktion.

Buntes Treiben

Eine neue Konstellation der Personalvertreter im Stiftungsrat könnte aber auch bürgerlichen Wünschen für die Zustimmung zur Wiederwahl von Wrabetz noch etwas mehr Gewicht verleihen. Oder die Bunten, auch nicht ganz auszuschließen, treiben es doch auf ganz andere, unerwartete Weise bunt bei den Generalswahlen.

Bisher sahen selbst bunte Personalvertreter mehr Sitze im Stiftungsrat als eher unwahrscheinlich. Bis Donnerstag und dann bis 15. Februar arbeiten sie offenkundig gleichwohl daran. (Harald Fidler, 27.1.2016)

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