Ohne Ausbeutung und Gift: Jeans im Test

28. Jänner 2016, 15:01
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Die Arbeiterkammer untersuchte 13 Jeans aus dem österreichischen Handel, die mit Nachhaltigkeit werben. Drei Hersteller erreichten ein "Sehr gut"

Wien – Acht Jeans haben die Österreicher durchschnittlich im Kleiderkasten, nur vier davon werden tatsächlich getragen. Männer tragen sie an rund sechs Tagen pro Woche, Frauen an fünf. Die Ökobilanz dieses beliebten Kleidungsstücks ist jedoch meist katastrophal: Allein 11.000 Liter Wasser werden für ein einziges Paar konventionelle Jeans für den Anbau von Baumwolle und die Färbung verbraucht. Etwa zwei Milliarden Jeans werden pro Jahr weltweit verkauft. Aber immer mehr Konsumenten greifen zu Marken, die angeben, unter ökologischen und fairen Bedingungen zu produzieren. Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat nun 13 ökofairen Jeansmarken, die im österreichischen Handel erhältlich sind, auf die Finger geschaut.

Auf Basis von 40 Kriterien wurde nach ökologischen und sozialen Aspekten bewertet. Für einen umfassenden Gesamteindruck eines Herstellers wurden bewusst nicht einzelne Jeans, sondern nur die gesamte Kollektion einer Marke untersucht, informiert die AK. Gebrüder Stitch, Armedangels und Nudie Jeans erreichten ein "Sehr gut". Weitere sieben Kollektionen, dazu zählen Sey, Patagonia, Naturfaser Fölser, Bleed, Grüne Erde, Wunderwerk und Good Society bekamen ein "Gut". Mud Jeans, Freitag und Kings of Indigo konnten nur noch ein "Befriedigend" verzeichnen. Das durchschnittliche Ergebnis ist laut AK auf eine mäßig gute Ökobilanz der Fasern, Nachbesserungsbedarf bei der Dokumentation der Produktionsbedingungen oder noch ausstehender Zertifizierungen der Kollektion zurückzuführen.

Für die Bewertung wurde die Ökobilanz der Textilproduktion von der Garnherstellung über das Weben bis hin zum Färben, die Veredelungstechniken und Zertifikate herangezogen. Bei den sozialen Aspekten wurde die Mitgliedschaft in Initiativen für Sozialstandards und die Offenlegung der Produktionsprozesse untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchung sind nun im AK-Fair-Jeans-Guide zugänglich. Darin werden auch Tipps gegeben, was bei dem Kauf von Jeans zu empfehlen ist.

Im Gütesiegeldschungel

Denn mittlerweile gibt es mehr als 100 Gütesiegel in der Bekleidungsindustrie, der Überblick wird immer schwieriger für Konsumenten. Der Hinweis "Made in Europe" gibt zum Beispiel keine Auskunft mehr darüber, ob soziale Mindeststandards bei der Produktion eingehalten wurden. Wie die Clean-Clothes-Kampagne belegt, werden die Näher und Näherinnen in der Bekleidungsindustrie in Osteuropa und der Türkei oft ebenso wie in Asien oder Lateinamerika mit Löhnen abgefertigt, die unterhalb der Armutsgrenze liegen.

Aber schon ein paar Anhaltspunkte helfen beim Einkauf, betont die AK: Dunkelblaue, unbehandelte Jeans sind etwa in der Regel ökologisch nachhaltiger. Die Gütesiegel "Gots" und "Fairtrade Certified Cotton" und "Fair Wear Foundation" gelten als vertrauenswürdig. (july, 27.1.2016)

  • Jeans gehören weltweit zu den beliebtesten Kleidungsstücken. Oft werden sie aber unter verheerenden ökologischen und sozialen Bedingungen produziert.
    foto: apa/christian charisius

    Jeans gehören weltweit zu den beliebtesten Kleidungsstücken. Oft werden sie aber unter verheerenden ökologischen und sozialen Bedingungen produziert.

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