Aus für Schengen: Transporteure fürchten Milliardenschaden

27. Jänner 2016, 13:49
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Schon jetzt würden wegen der Wartezeiten an den Grenzen hohe Kosten anfallen. Falle Schengen, würde sich das noch massiv verschärfen

Wien – Werden an Österreichs Grenzen wieder die Kontrollen im vollen Umfang hochgezogen, dann droht der Transportwirtschaft ein Schaden von bis zu 8,5 Mio. Euro pro Tag. Das entspricht mehr als drei Milliarden Euro über ein Jahr. Schon jetzt gebe es für die Branche massive Nachteile, so gebe es an den Grenzen in Ungarn und Bulgarien zum Teil Wartezeiten von bis zu sieben Stunden, so Alexander Klacska, Obmann der Sparte Transport in der Wirtschaftskammer, zur APA.

Diese Wartezeiten sind aber in den bestehenden Verträgen nicht eingepreist, dazu kämen die Probleme mit den Lenk-und Ruhezeiten. Denn auch wenn sich die Fahrzeuge im Stau vor der Grenze kaum bewegten, seien dies Lenkzeiten. Verschärft würde die Situation noch durch die Reduktion der Transportkapazitäten im Zuge der Wirtschaftskrise.

Zusatzkosten in Spielfeld

Klascka fordert zur Verbesserung der angespannten Situation Güterkorridore, wie sie bereits an der stark gesicherten Grenze zwischen den USA und Mexiko erfolgreich eingesetzt würden. Denn bei Grenzkontrollen in Österreich würden Wartezeiten von im Schnitt drei Stunden anfallen. Beim Grenzübergang Spielfeld habe dies Zusatzkosten pro Werktag von 500.000 Euro bei der Aus- und Einreise zur Folge.

Und auch Wolfram Senger-Weiss, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, sieht die Politik gefordert. "Der freie Warenverkehr, ein Grundpfeiler der Europäischen Union, sollte auf keinen Fall leichtfertig aufgegeben werden", so Senger-Weiss. Er verweist auf Zahlen der EU-Kommission, wonach sich die Kosten bei flächendeckenden Grenzkontrollen in der Union auf rund drei Mrd. Euro pro Jahr belaufen würden. Dazu kämen noch die Kosten für die Gesamtwirtschaft, da die Betriebe höhere Lagerbestände vorhalten müssten.

ÖBB sieht nur kleine Probleme

Bei den ÖBB sieht man die Probleme an den Grenzen noch entspannter. "Bis dato ist es beim Güterverkehr nur vereinzelt zu marginalen Verzögerungen gekommen, was im Güterverkehr durch die längeren Transportwege und Ausweichrouten innerhalb Österreichs bis dato kein signifikanten Auswirkungen hatte", so Bahn-Sprecherin Sonja Horner.

Für Österreich ist die Balkanroute, auf der sich derzeit die Flüchtlingsströme bewegen, jedenfalls wirtschaftlich von großer Bedeutung. Die Ausfuhren nach Serbien legten von Jänner bis Oktober 2015 im Jahresabstand um rund 11 Prozent auf 460 Mio. Euro zu, die Lieferungen nach Kroatien erhöhten sich um fast 14 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. (APA, red, 27.1.2016)

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