Jährlich 2,6 Millionen Totgeburten weltweit

27. Jänner 2016, 13:41
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Übergewicht und Rauchen erhöhen in Industrieländern das Risiko für Totgeburten. In schlecht entwickelten Ländern braucht es bessere Gesundheitssysteme

In Österreich gilt: Ist nach der Geburt eines mindestens 500 Gramm schweren Säuglings kein Lebenszeichen festzustellen, etwa Herzschlag, eine pulsierende Nabelschnur, natürliche Lungenatmung oder willkürliche Muskelbewegung, liegt eine Totgeburt vor. Die Fachzeitschrift Lancet hat nun Daten zur weltweiten Häufigkeit von Totgeburten veröffentlicht.

Jährlich sterben demnach 2,6 Millionen Kinder vor der Geburt. 98 Prozent dieser Totgeburten kommen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen vor. Die Hälfte der tot geborenen Kinder stirbt während der Geburt. Die meisten Totgeburten ereignen sich in den südlichen Staaten Afrikas und in Südostasien. An erster Stelle stehen Pakistan mit 4,3 Prozent, Nigeria mit 4,2 Prozent und Tschad mit 3,9 Prozent. In Deutschland etwa liegt die Rate bei 0,24 Prozent. In Österreich kamen 2014 0,33 Prozent der Kinder tot zur Welt.

Die Definition einer Totgeburt der World Health Organization (WHO) unterscheidet sich von der Kategorisierung in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Demnach spricht man von einer Totgeburt bei Neugeborenen ohne Lebenszeichen, die mehr als 1000 Gramm wiegen oder nach 28 vollendeten Schwangerschaftswochen geboren werden.

Handlungsbedarf bis 2030

Die Fachzeitschrift Lancet beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung in den vergangenen Jahren, mit den Totgeburtenraten in 195 Ländern, mit ökonomischen und psychosozialen Konsequenzen, mit den anstehende Aufgaben in den Industrieländern sowie mit vermeidbaren Todesfällen und dem aktuellen Handlungsbedarf für Gesundheitsfachpersonal und Interessenvertretungen bis zum Jahr 2030. Zu den Risikofaktoren für eine Totgeburt zählen in den Industrieländern vor allem Übergewicht und Rauchen im gebärfähigen Alter.

"Hinter jedem Tod steht eine Geschichte", sagt Alex Heazell von der Universität Manchester in London. Nach dem Tod ihres Kindes zeigen Eltern viele verschiedene psychologische Symptome. Totgeburt kann zu sozialer und psychologischer Isolation führen, gefolgt von Depression. Weltweit haben ungefähr 4,2 Millionen Frauen Depressionen, die mit einer vorangegangenen Totgeburt in Verbindung gebracht werden.

All dies kann beträchtliche Belastungen nach sich ziehen – auch wirtschaftliche. Während in vielen niedrig entwickelten Ländern Totgeburten durch verbesserte Strukturen im Gesundheitssystem vermeidbar sind, gilt es, in den hoch industrialisierten Ländern weiterhin die Betreuung der Eltern und Familien zu verbessern. (idw, red, 27.1.2016)

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