Rohani-Besuch: Streit um Verhüllung nackter Statuen in Rom

27. Jänner 2016, 11:24
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Italiens Mitte-rechts-Parteien beklagen eine "lächerliche Unterwerfung" gegenüber dem Islam anlässlich des Besuchs des iranischen Präsidenten

Rom – Die Debatte um verhüllte antike Nackstatuen in Rom wegen des Besuchs des iranischen Präsidenten Hassan Rohani sorgen weiter für Empörung in Italien. Die Regierung distanzierte sich nach heftiger Kritik von dem Beschluss. Italiens Kulturminister Dario Franceschini kritisierte die Entscheidung: "Weder ich noch Renzi sind über den Beschluss informiert worden, dass man die Statuen verhüllen wollte".

"Es hätte andere Wege gegeben, um nicht die Sensibilität eines derart wichtigen ausländischen Gasts zu verletzten", sagte Franceschini laut Medienangaben vom Mittwoch. Die Verhüllung der antiken Skulpturen in den Kapitolinischen Museen bezeichnete er als "unbegreiflich". Aus Respekt vor der iranischen Kultur und dem Glauben Rohanis hatten die Behörden mehrere nackte Statuen hinter schrankähnlichen Konstruktionen versteckt.

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Das Denkmalamt in Rom bestritt ebenfalls, die Verhüllung der Statuen angeordnet zu haben. Ein Sprecher erklärte, dass die Statue auf Druck der Regierung versteckt worden seien, die Rohanis Besuch organisiert habe.

foto: reuters/alessandro bianchi

In den Streit schaltet sich am Mittwoch auch die populistische Oppositionspartei "Fünf Sterne" ein. Diese rief Premier Matteo Renzi auf, den Fall im Parlament zu klären. Mitte-Rechts-Parteien hatten die Verhüllung der Statuen bereits zuvor als "lächerliche Unterwerfung" gegenüber dem Islam kritisiert. "Renzi hat Italien und unsere christlich-griechische-jüdische Wurzeln gedemütigt", erklärte etwas die aus Bozen stammende Parlamentarierin der konservativen Partei Forza Italia, Michaela Biancofiore.

Der iranische Präsident hatte Renzi am Montagabend auf dem Kapitolshügel getroffen und war später in den Museen vor die Presse getreten. Aus Rücksicht auf den muslimischen Glauben Rohanis sei beim Abendessen auch kein Wein serviert worden, berichteten italienische Medien. (APA, 27.1.2016)

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